Veranstaltungen 1999

Wochenendseminar

Sicher auftreten und frei reden?!

Einstieg in Rede und Verhandlungsstrategien in Politik und Öffentlichkeit

 

03. - 05. Dezember 1999, Schloß Flehingen, Oberderdingen

 

Freies und öffentliches Reden ist eine der großen Herausforderungen für Menschen, die sich (neu) in der Politik engagieren. Die zielgerichtete Darstellung eigener Anliegen, geschickte Verhandlungsführung, gekonnter Rede- und Argumentationsaufbau sowie Diskussionstechniken können trainiert und selbst "Lampenfieber" produktiv eingesetzt werden.

 

Im Mittelpunkt des Seminares stand die Auseinandersetzung mit der eigenen Wirkung auf andere und mit dem individuellen Stil und Profil: Denn Überzeugungskraft hängt vor allem von der persönlichen Glaubwürdigkeit ab. Bei dem Seminar wurde mit Impulsreferaten, praktischen Übungen in Einzel-, Gruppen und Plenumsarbeit und auch vor der Videokamera gearbeitet.

 

Leitung: Elge Wörner, Supervisorin, Institut für kooperatives Management, Kronberg

 

 

Abendveranstaltung

Ein Land - zwei Kulturen

 

15. Oktober  und 17. November 1999, Stadtbücherei und Buchhandlung Himmelheber, Heidelberg

 

Zehn Jahre nach dem Fall der Mauer schien sich die kulturelle Differenz zwischen den sogenannten neuen und alten Bundesländern, zwischen Ost und West, nicht merklich verringert zu haben. Die historisch gewordene Äußerung von Willi Brandt "nun wächst zusammen, was zusammen gehört" ist in verschiedener Hinsicht zu hinterfragen.

 

Mit unserem Literaturprojekt “West reads Ost” wollten wir - zehn Jahre nach der Wende - die bestehende kulturelle Differenz zwischen Ost und West zum Thema machen. Wir wollten mit AutorInnen ins Gespräch kommen über - die kulturelle Differenz des Lesepublikums in Ost und West - die kulturelle Differenz in der Literaturproduktion:

Wie schreiben Ost-AutorInnen über die deutsche(n) Nach-Wende-Gesellschaft(en), deren Nähen und Spaltungen? - die kulturelle Differenz der Literaturschaffenden in Ost und West.

 

Es lasen und diskutierten:

Freitag, 15. Oktober, 1999 - Stadtbücherei Heidelberg

Thomas Brussig

Schriftsteller und Drehbuchautor (u.a. "Helden wie wir" (1996), "Am kürzeren Ende der Sonnenallee")

 

Freitag, 17. November 1999 - Buchhandlung Himmelheber Heidelberg

Kerstin Hensel

 Schriftstellerin und Lehrbeautragte, Berlin (u.a. Neunerlei" (1997), "Gipshut")

 

Moderation: Michael Braun, Literaturkritiker Basler Zeitung/Deutschlandfunk

 

"Ein Land - zwei Kulturen" war eine Veranstaltungsreihe im Rahmen des Projektes "Ten Years After" der Länderbildungswerke der Heinrich Böll Stiftung und der Bundesstiftung. Die Veranstaltungen in Heidelberg fanden statt in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Stadt Heidelberg.

 

 

Lesung

Koppstoff

Kanaka Sprak vom Rande der Gesellschaft

 

6. November 1999, Die Rampe, Stuttgart

 

“Harte Reportagen voller Slang und Poesie - Kanakas berichten ungeschminkt vom Rande der deutschen Gesellschaft. Sie brechen auf aus dem Ghetto, lassen sich weder vereinnahmen noch zu Objekten der Migrantenforschung machen - Migrantinnen der zweiten und dritten Generation.

 

Und - ganz nebenbei - rechnet diese unvergleichlich kraftvolle Literatur mit den gängigen Türken-Klischees ab”, so der Hamburger Rotbuch Verlag über Feridun Zaimoglus neuestes Buch Koppstoff.

 

Nach seinen Büchern Kanak Sprak und Abschaum, in denen sich Zaimoglu mit den “Männerschicksalen” türkischer Migrantenkinder beschäftigt hat, erzählt Koppstoff nun die Geschichten der Kanakas, der Töchter und Enkelinnen der MigrantInnen.

 

Koppstoff war eine Veranstaltung im Rahmen unserer Reihe “Mahlzeit - Wir leben in Deutschland”. Koppstoff fand statt in Zusammenarbeit mit dem Theater “Die Rampe”.

 

 

Tagung

Frauen gestalten Zukunft - Lokale Agenda 21

 

13. November 1999, Stuttgart

 

Im Abschlußdokument der Weltkonferenz von Rio 1992 werden für die Umsetzung der Agenda 21 auf lokaler Ebene die Kommunen und damit die Bürgerinnen und Bürger als unentbehrliche Partner genannt. Zudem wird ausdrücklich die Beteiligung von Frauen und die Berücksichtigung von Frauenbelangen für die erfolgreiche Umsetzung der Ziele der Agenda 21 gefordert.

 

Der Frauenpolitik als Querschnittsaufgabe wird dadurch eine große Rolle zugeschrieben. Die Chancen und Möglichkeiten, die sich damit der Frauenpolitik bieten, sollten auf dieser Tagung herausgearbeitet werden. Es sollten gemeinsame Handlungsfelder erarbeitet und Anregungen und Impulse für Aktivitäten, zur Beteiligung und Mitwirkung von Frauen gegeben werden.

 

Leitung: Edith Sitzmann, Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg e.V., Silvia Weidenmacher, VRS, Eva Proschek, vhs Stuttgart

 

Die Veranstaltung fand statt in Kooperation mit dem Verband Region Stuttgart VRS.

 

 

Tagung

Außen-Ansichten auf Grün

Die Grünen zwischen Regierungskunst und Existenzangst?

 

09. Oktober 1999, TurmForum Stuttgart 21 im Hauptbahnhof Stuttgart

 

Viel ist die Rede von der Krise der Grünen. Dieses Motiv begleitet sie, seit sie existieren. Aber dennoch: Seit die Partei von der Opposition- auf die Regierungsbank gewechselt ist, mehren sich die Krisenanzeichen: eine Folge von Einbrüchen bei Wahlen, Austritte aus der Partei und nicht zuletzt vielfältige Krisendiagnosen, Schuldzuweisungen und (weniger) Zukunftsrezepte, die intern und in den Medien gehandelt werden.

 

Der Wechsel in die Rolle einer Regierungspartei erzwang - in einem neuen Licht - die Auseinandersetzung mit der Frage, was aus den Grünen wird. U.a.:

Was bleibt an Grüner Programmatik? Was gehört "ausgemistet" und was muß neu gedacht werden? Was hält die Partei zusammen?

 

Welche Strukturen braucht eine professionelle Partei, damit Politik-Management zugleich effektiv und demokratisch machbar ist? Welche Qualifikationen braucht ihr Personal?

 

Wie kann das Spannungsverhältnis zwischen Regierungshandeln und programmatischen Zielen sinnvoll und glaubwürdig gestaltet werden?

 

Diese Fragen sind keinerlei Spezifika der Grünen, sondern von jeder Partei zu beantworten. Dennoch muß jede Partei nach ihrer spezifischen Antwort suchen. Entsprechend unterschiedlich fallen die Krisendiagnosen aus - sie reichen von der Focussierung auf grüne „Erblasten" bis zur Diagnose eines unvermeidlichen „Häutungsprozesses" zur Regierungspartei, der zwar schmerzlich, aber dennoch völlig normal und kein Grund zur Aufregung sei.

 

Die Tagung wollte das Grüne Projekt mit dem Blick von außen betrachten. Deshalb wurden WissenschaftlerInnen und JournalistInnen eingeladen, ihre Erkenntnisse und Erkundigungen über Zustand und Aussichten der Grünen Partei zur Diskussion zu stellen:

 

1. Lehren aus den Wahlen: Wer wählt die Grünen (nicht mehr)? - eine Auswertung des empirischen Befundes Warum wenden sich besonders Jugendliche und Frauen von der Partei ab?

 

mit Markus Klein, Zentralarchiv für empirische Sozialforschung, Uni Köln Claus Tully, Deutsches Jugendinstitut München, Clarissa Rudolph, Uni Frankfurt

 

2. Lektionen für eine Regierungspartei: Wo liegen die Ursachen für die Krise des Grünen Projektes? Welche Bedeutung kommt der Regierungsbeteiligung zu? Durchhalten oder Rundumerneuerung - was ist zu raten? 

 

mit Helmut Wiesenthal, HU Berlin, Micha Brumlik, Uni Heidelberg, Richard Herzinger, freier Journalist, Berlin (angefr.)

 

 

"... aber mich fragt ja keiner!"

Projektwoche "Zugänge zur direkten Demokratie"

 

04. - 08. Oktober 1999, Freie Waldorfschule Schwäbisch Hall

 

Menschen - Alt wie Jung - werden immer stärker von den Folgen der industriellen Entwicklung, der wachsenden Umweltzerstörung, Armut und sozialer Ungleichheit belastet. Vor dem Hintergrund dieser „Krisen der Moderne" haben die Vereinten Nationen 1992 auf dem Erdgipfel in Rio ein Handlungsprogramm verabschiedet: die Agenda 21.

 

Ziel dieses Programms ist eine nachhaltige, also dauerhaft-umweltgerechte Entwicklung, die die Erde auch für zukünftige Generationen bewohnbar sein läßt. Dieser Grundsatz verlangt, dass die ökonomische, die soziale und ökologische Entwicklung notwendig als Einheit zu verstehen sind.

 

In einer Projektwoche unter dem Leitthema: „Zugänge zur direkten Demokratie - Wie kann unsere demokratische Ordnung nachhaltig weiterentwickelt werden?" wollten sich Schülerinnen und Schüler in Schwäbisch Hall mit Demokratie und ihrer Geschichte, ihren heutigen und zukünftigen Formen auseinandersetzen.

 

Die Diskussion über aktuelle gesellschaftspolitische Entwicklungen wie die der Lokalen Agenda 21 war dabei ein Schwerpunkt. In drei Arbeitsgruppen an drei Vormittagen und bei der “Nacht der Nachhaltigkeit”, bei der sich auch Kommunal- und LandespolitikerInnen beteiligten, diskutierten die Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Schulen der Region über den Zusammenhang von direkter Demokratie und nachhaltiger Entwicklung.

 

Leitung: Barbara Lehmann und Markus Stettner-Ruff

 

Die Veranstaltung fand statt in Kooperation mit der Freien Waldorfschule Schwäbisch Hall.

 

 

Tagung

Regieren im 21. Jahrhundert

 

10. - 11. Juli 1999, Haus der Architekten, Stuttgart

Die Einführung einer gemeinsamen europäischen Währung ist nicht nur ein ökonomischer, sondern (so Joschka Fischer in seiner Rede am 12. Januar vor dem Europa-Parlament) “vor allem ein souveräner und demnach eminent politischer Akt. Mit der Vergemeinschaftung des Geldes hat sich Europa auch für einen eigenständigen Weg in die Zukunft ... entschieden.”

 

Mit der Vision vom “eigenständigen Weg” stellt sich die Frage nach Legitimation, nach demokratischen Strukturen und nach Regierung, sei es auf europäischer oder auf nationalstaatlicher Ebene.

 

Im Eingangsvortrag “Was kann, was soll Regierung überhaupt bewegen?” wurde die Frage nach Regierungshandeln grundsätzlich gestellt. Anschließend wurde das Verhältnis Regierung und Demokratie sowie Regierung und Opposition beleuchtet. Abschluss der Tagung war eine Podiumsdiskussion zur politischen Steuerungs- und Gestaltungsfähigkeit angesichts der Globalisierung.

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Tagung

Die Zukunft der Arbeit in Europa

 

20. März 1999, Landesmuseum für Technik und Arbeit, Mannheim

 

Die Arbeitslosigkeit stellt wahrscheinlich die größte Aufgabe dar, die Europa in den nächsten Jahren zu lösen hat. Neueste Erwerbslosenzahlen erschrecken, und gleichzeitig werden unbedeutende prozentuale Veränderungen nach unten als großer Erfolg präsentiert. Sowohl in den Medien als auch in der Politik fehlen innovative Ansätze für das Problem Arbeitslosigkeit, gerade auch unter einem länderübergreifenden bzw. europäischen Aspekt.

 

Das Ziel dieser Veranstaltung war es, über bisher ungewöhnliche Ansätze zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zu informieren, innovative Anregungen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zu geben und besonders jungen Leuten neue Instrumente für ein alternatives Empfinden ihrer Situation als Arbeitssuchende aufzuzeigen.

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Tagung

Was kommt nach dem Euro?

Die Verfassung der Europäischen Integration nach der gemeinsamen Währung

 

06. Februar 1999, Prinz Carl, Kornmarkt Heidelberg

 

Die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion, die am 01.01.1999 in Kraft trat, war zu jenem Zeitpunkt das ehrgeizigste Projekt der europäischen Integration.

 

Die Veranstaltung wollte dem verfassungsrechtlichen Aspekt dieser Union nachgehen. Es wurde die Frage nach den (verfassungs-)politischen Konsequenzen einer gemeinsamen Währung für die europäische Integration gestellt. Würde durch die gemeinsame Währung der politische Druck auf die Mitgliedstaaten der EU verstärkt im Sinne von stärkerer Zusammenarbeit auch in anderen Bereichen, die bisher in nationalstaatlicher Verantwortung lagen? Was bedeutet die Währungsunion bezogen auf demokratische Reformen des europäischen Institutionengefüges?

 

Leitung: Gerhard Pitz und Martin Große Hüttmann

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