Tagung
Biopolitik und Menschenbild
Der Streit über die moderne Biotechnologie steckt in einer Sackgasse. Dem Versprechen neuartiger Therapien und Diagnostiken wird das Prinzip der Menschwürde entgegengestellt, das instrumentelle Handlungen am Menschen untersagt. Umstritten ist jedoch, ob bzw. ab wann auch einem Embryo Menschenwürde zukommt. Bisher wurde kaum versucht, diese gegensätzlichen Positionen diskursiv aufzulösen.
Aus diesem Grund sollte auf der Tagung eine Debatte jenseits des üblichen Pro- und Contra-Schemas geführt werden. Dazu sollte der Diskurs an das polit-philosophische Konzept des "guten Lebens" angebunden werden. Denn eine mit kategorisch-moralischen Argumenten geführte Diskussion wird dem "Faktum des gesell-schaftlichen Pluralismus" (John Rawls) schon lange nicht mehr gerecht.
Programm
10.00 Uhr - Begrüßung
Gerhard Gräber
Vorstand der Heinrich Böll Stiftung Bad.-Württ. e.V.
10.15 Uhr - Einführungsreferat
Das "gute Leben" als ethisches Konzept?
Konsens und Dissens über das gute Leben in der liberalen Gesellschaft
Matthias Kettner
Professor für Philosophie, Universität Witten/Herdecke
11.00 Uhr
Themenschwerpunkt "Selbstbestimmung und Eugenik"
Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik - im Dienste weiblicher Selbstbestimmung oder einer neuen Eugenik?
Sigrid Graumann
Institut Mensch, Ethik und Wissenschaft, Berlin
Humanes Klonen - ein Fortschritt für den Menschen oder ein Bruch mit der Menschenwürde?
Dietmar Mieth
Professor für theologische Ethik unter besonderer Berücksichtigung der Gesellschaftswissenschaften, Universität Tübingen
13.30 Uhr
Themenschwerpunkt "Gesundheit und Gerechtigkeit"
Verkörperte Risiken: Gendiagnostik zwischen rationaler Gesundheitsvorsorge und ärztlich hervorgerufenem Verlust an Lebensqualität
Regine Kollek
Professorin für Technologiefolgeabschätzung der modernen Biotechnologie in der Medizin, Universität Hamburg
Genetisierung, Individualisierung und ernstere Herausforderungen:
Die Zukunft des solidarischen Gesundheits-systems im Zeitalter der Molekularen Medizin
Norbert W. Paul
Institut für Geschichte der Medizin, Universität Düsseldorf
15.30 Uhr
Abschlusspodium: Was tun?
Biopolitik zwischen ethischer Selbstverständigung und politischer Entscheidung - Was rate Ethiker, worauf hören Politiker?
mit
Hans-Josef Fell, MdB
Bündnis 90/Grüne
Andrew Moore
European Molecular Biology Organization (EMBO), Science & Society Programme Manager
Dietmar Mieth
Regine Kollek
Moderation
Katrin Platzer
Studienleiterin, Evangelische Akademie der Pfalz, Speyer
Die Veranstaltung fand statt in Kooperation mit dem Deutsch-Amerikanischen Institut (dai) Heidelberg.
