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VeranstaltungenArchiv2008-1999
Heinrich Boell

Bildungsreise Baltikum

Deutsche Spuren – europäische Zukunft

 

Nach Jahrzehnten der Fremdbestimmung erleben die drei baltischen Staaten seit ihrer Unabhängigkeit 1990/91 und mit ihrer Mitgliedschaft in der EU 2004 eine rasante Transformation. Bei unserer Reise setzen wir uns mit der deutschen Vergangenheit im Baltikum wie auch der gemeinsamen europäischen Zukunft auseinander.

 

Wir folgen den Spuren der über das Baltikum deportierten deutschen Juden, suchen Orte des Nazi-Terrors auf und diskutieren das heikle Thema der Aufarbeitung der Nazi-Besatzung und der eigenen Verantwortung. Der Vergleich mit der Aufarbeitung der sowjetischen Besatzung ist spannend. Letztere hilft die kritische Haltung gegenüber Russland heute verstehen, die innerhalb der EU oftmals schon zu Irritationen führte. Wir fragen auch: Wie geht man heute mit den russischen Minderheiten um?

 

Heute prägt die Rückkehr eines beachtlichen Teils der Bevölkerung aus der nordamerikanischen und skandinavischen Diaspora das gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Gefüge der baltischen Staaten. Sie sind die Wirtschaftswunderländer der EU. Dabei gehen die Regierungen oft ungewöhnliche Wege. Wie lebt es sich in den Umbruchsgesellschaften? Was sind die Kosten der Öffnung? Menschenhandel und Prostitution sind Teil der Schattenseiten, die wir thematisieren. Wir führen Gespräche mit WissenschaftlerInnen, PolitikerInnen und AktivistInnen.

 

Die Reise führt uns von Vilnius über Riga nach Tallinn. Wir werden auf dem Weg den Berg der Kreuze besichtigen, in Riga einen Abstecher ans Meer bei Jurmala machen, die landschaftlichen Schätze und andere touristische Sehenswürdigkeiten sollen nicht zu kurz kommen.

 

Die Reise findet statt in Kooperation mit "Die Anstifter" Stuttgart und im Rahmen des Länder übergreifenden Projekts „Europa“ der Landesstiftungen der Heinrich Böll Stiftung.

 

Reiseleitung:
Katja Wezel, Heinrich-Böll-Stipendiatin, Dissertation zu Diktaturüberwindung und Nationbuilding in Lettland nach 1991
Annette Goerlich, Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg.

 

Programm
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Sa, 30. Juni 

Ankunft Vilnius

 

Wir fliegen ab Frankfurt/Main um 14.20 Uhr nach Palanga, von wo wir mit dem Bus weiter nach Vilnius fahren, wo wir um ca. 22.00 Uhr ankommen. 

 

So, 1. Juli 

Vilnius Stadtführung - jüdische Geschichte

 

Bei der Stadtführung begegnen wir dem Mittelalter, Barock und Klassizismus, unser Weg führt durch das Tor der Morgenröte, zur 1779 gegründeten Universität und in die Straßenzüge des ehemaligen jüdischen Ghettos.


Am Nachmittag begeben wir uns weiter auf die Suche nach den Spuren jüdischen Lebens in Vilnius, das einst als „Jerusalem des Nordens“ galt. Wir besichtigen das Jüdische Museum und sprechen mit einer Vertreterin der jüdischen Gemeinde.
Gemeinsames Abendessen.

 

Mo, 2. Juli 

Litauische Umweltbewegung – Wasserburg Trakai – Gedenkstätte Paneriai

 

Vormittags treffen wir den Leiter des Umweltforschungs- und Beratungsinstituts ECAT, Kaunas, zu einem Gespräch über die litauische Umweltbewegung: von einer Protestbewegung gegen die Sowjetherrschaft zur grünen Bewegung?


Nachmittags besuchen wir die Inselstadt Trakai, die für ihre imposante, gotische Wasserburg berühmt ist, und verfolgen die Spuren der Karäer.
Auf dem Rückweg besuchen wir in Paneriai die Gedenkstätte, die an die Ermordung von schätzungsweise 100.000 Menschen verschiedener Nationalitäten, vor allem Juden während der deutschen Besatzung erinnert.

Abends schlendern wir durch Uzupio, das Künstlerviertel von Vilnius. Dieser Stadtteil wurde noch nicht vollständig saniert und hat seinen eigenen, ursprünglichen Charme.

 

Di, 3. Juli 

Fahrt nach Riga - „Berg der Kreuze“ - Schloss Rundale -

Gedenkstätte Salaspils

 

Auf dem Weg nach Riga besichtigen wir den Berg der Kreuze, das Symbol des stillen, religiösen Protestes der Litauer gegen die sowjetische Besatzung.
Wir schauen uns auch das Sommerschloss Rundale an, das größte und vollkommenste Barockensemble in Lettland.
Vor den Toren Rigas besuchen wir die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Salaspils.


Mi, 4. Juli 

Stadtbesichtigung Riga – Okkupationsmuseum - Sicht einer „Okkupantin“

 

Vormittags erkunden wir Riga, seit dem 13. Jahrhundert Hansestadt und einst Sitz der Ordensritter. Wir unternehmen auch einen Spaziergang durch das Jugendstilviertel mit seinen phantasievollen Bauten.


Nachmittags besuchen wir das Okkupationsmuseums, das den Opfern der sowjetischen Herrschaft gewidmet ist. Viele Russen, die in Riga mehr als die Hälfte der EinwohnerInnen ausmachen, widersprechen der Darstellung der sowjetischen Periode als “Okkupationszeit”. Mit einer Vertreterin dieser Bevölkerungsgruppe sprechen wir über die lettische Geschichtspolitik nach 1991 und die Situation der russischsprachigen Bevölkerung im Baltikum.

Gemeinsames Abendessen.

 

Do, 5.Juli 

Lettische Politik und Gesellschaft heute –
Geschichte und Aktualität der Shoah – Strandbad Jurmala

 

Vormittags hören wir von einer VertreterIn einer lettischen NGO (Transparency International oder providus) über die politische und gesellschaftliche Entwicklung Lettlands seit seiner Unabhängigkeit.
Zu einem zweiten Gespräch treffen wir Alexander Bergmann, einer der wenigen Shoah-Überlebenden in Lettland, der sich als Präsident des Vereins ehemaliger jüdischer Ghetto- und KZ-Häftlinge Lettlands für Entschädigung gegenüber der deutschen Bundesregierung einsetzte.


Am Nachmittag besuchen wir die Shoah-Gedenkstätte Rumbola.
Anschließend fahren wir in das Strandbad Jurmala mit seinen Holzvillen. Hier haben wir Zeit für Strandspaziergänge und Baden.

 

Fr, 6. Juli 

Entlang der lettisch-estnischen Küste nach Tallinn – Stadtführung

 

Wir fahren morgens entlang der wunderschönen lettisch-estnischen Küste nach Tallinn und machen unterwegs eine kurze Mittagspause im estnischen Strandbad Pärnu.


Am Nachmittag besichtigen wir Tallinn. Dort hat sich das Erscheinungsbild einer wohlhabenden Hansestadt mit Stadtmauer, Wehrtürmen, Burg, gotischen Kirchen und Bürgerhäusern erhalten wie kaum anderswo.

 

Sa, 7. Juli 

Estland heute und die neue Grüne Partei -

Lahemaa-Nationalpark und Gut Palmse

 

Wir treffen einE VertreterIn der neuen Grünen Partei Estlands zu einem Gespräch über die gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Entwicklung Estlands im Zuge des EU-Beitritts und hören von einer NGO-Vertreterin über die Ziele der baltischen Frauenorganisationen und die speziellen Probleme mit Prostitution, Frauenhandel und HIV.


Am Nachmittag unternehmen wir einen Ausflug in den Lahemaa-Nationalpark, der mit vielen Fischerdörfern, Seen, Mooren und Wäldern eine landschaftliche Perle ist. Wir besichtigen das Gut Palmse, das bis 1923 einer deutschbaltischen Familie gehörte.

Gemeinsames Abendessen.


So, 8. Juli 

Rückflug


Transfer zum Flughafen Tallinn. Abflug um 6:55 Uhr nach Frankfurt. Ankunft in Frankfurt um 8:30 Uhr.

 

 

Organisatorisches und Teilnahmebedingungen

Leistungen:

  • Hin- und Rückflug Frankfurt/M.-Palanga und Tallin Frankfurt/M. Transfers im Baltikum vom Flughafen zum Hotel und zurück
  • Übernachtung im Doppelzimmer mit Frühstück (Einzelzimmer mit Zuschlag begrenzt möglich)
  • Abendessen am 1., 4. und 7. Juli. Deutsche Reiseleitung.
  • Klimatisierter Reisebus
  • Reiseprogramm (Vorträge, Gespräche, Besichtigungen; Eintrittsgelder zu allen im Programm erwähnten Stätten)
  • Vorbereitungsreader

 

Ein Vorbereitungsseminar fand am 19. Mai in Stuttgart statt.

 

Programmänderungen

Beim angegebenen Programm können sich Änderungen ergeben. Falls Anpassungen nötig sind, bemühen wir uns um ein gleichwertiges Ersatzangebot.

 

Vorbereitungsreader

Eine Mappe mit aktuellen Artikeln, Hintergrundinformationen und praktischen Tipps zur Reisevorbereitung verschicken wir etwa drei Wochen vor Reisebeginn an die TeilnehmerInnen.

 

Infos zum Baltikum und zur Reisevorbereitung:

Büchertipps

www.latviatourism.lv

www.baltikuminfo.de

Kleine Anfrage und Antwort der Bundesregierung:
"Opfer des Nationalsozialsmus in Mittel- und Osteuropa und die Politik der Bundesregierung" Drs 13/8454

"Alexander Bergmann" Kurzbiografie

Stolpersteine für Stuttgart

Estnischer Denkmalstreit

Winfried Nachtwei, MdB: "60 Jahre danach: Einweihung der Gedenkstätte Riga-Bikernieki" Bericht

 

Teilnahmegebühren

990.- Euro (im Doppelzimmer)
1220.- Euro (im Einzelzimmer)
Der Restbetrag in Höhe von 660.- Euro (bzw. 890 Euro bei Einzelzimmer)

wird zum 20. Mai fällig.
Alle angemeldeten Personen erhalten von uns eine Anmeldebestätigung.

 

Bankverbindung
BW  Bank, BLZ 600 501 01, Kto-Nr. 111 085 8

 

Wir empfehlen den Abschluss einer Reiserücktrittskosten-Versicherung.