Konservativer Feminismus und neue Familienpolitik?
Zum Kulturkampf um ein neues Leitbild in Deutschland und der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im europäischen Jahr der Chancengleichheit
Ladies Lunch on Tour - for Ladies only -
Endlich steht Familienpolitik im Zentrum des gesellschaftlichen Interesses! Ein wahrer Kulturkampf durchzieht die Republik. Ministerin von der Leyen hat mit ihrem Vorstoß für die Beteiligung der Väter am Elterngeld und für den Ausbau von Krippenplätzen das konservative Lager in Bewegung gebracht. Nachdem die Frauenbewegung und die rot-grüne Regierung den Boden vorbereitet haben, bedurfte es offensichtlich einer konservativen Ministerin, um die ideologische Verkrustung in Deutschland aufzubrechen und endlich der gesellschaftlichen Entwicklung Rechnung zu tragen.
Ursula von der Leyen bezeichnet ihre Politik als konservativen Feminismus. Wer steht für das emanzipatorische Projekt, für das die Frauenbewegung antrat? Wo steht das Grüne Projekt in der familienpolitischen Debatte? Wo setzt es Akzente im Spannungsfeld von zwischenmenschlicher, familiärer und gesellschaftlicher Verantwortung und individuellen Freiheitsansprüchen?
Verliert neben so viel Familienpolitik die Frauenpolitik an Profil?
Welche Chancen birgt der Ruf nach einem neuen Feminismus? Entsteht mehr als ein neuartiger Ego- oder Karriere-Feminismus?
Ist es wieder an der Zeit zu kämpfen – wie DIE ZEIT resümierte? Gibt es – jenseits von Kinderkrippen - eine gemeinsame frauenpolitische Agenda über Parteigrenzen hinweg? Und wo liegen grundsätzliche Differenzen?
Neben dieser sehr deutschen Debatte wollen wir ansprechen, welche frauenpolitischen Inhalte die Bundesregierung während ihrer EU-Ratspräsidentschaft verfolgt und welche Akzente sie im Europäischen Jahr der Chancengleichheit setzt.
Heike Schiller-Schenten
Vorsitzende Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg
Diskussion
Katrin Göring-Eckardt
Vizepräsidentin des Bundestages und Abgeordnete der Grünen
Barbara Thiessen
Grundsatzreferentin für Familienpolitik am Deutschen Jugendinstitut, München
Moderation
Carla Sappok, SWR
Barbara Thiessen, Carla Sappok, Katrin Göring-Eckardt
Katrin Göring-Eckardt, 40, ist seit 2005 Vizepräsidentin des Bundestages und Abgeordnete der Grünen. Sie studierte Theologie und war 1989 Gründungsmitglied von „Demokratie jetzt“ und „Bündnis 90“ in Thüringen. Nachdem sie erst auf der Landes- und dann auf der Bundesebene politisch aktiv war, wurde sie 1998 in den Bundestag gewählt. Sie war parlamentarische Geschäftsführerin und Vorsitzende der Fraktion. Sie ist evangelisch, verheiratet und hat zwei Kinder. Im August letzten Jahres meldete sie sich bei der ZEIT-Debatte um einen neuen Feminismus zu Wort und im November erschien ihr Buch "Leichter gesagt als getan – Familien in Deutschland".
Barbara Thiessen, 41, ist seit letztem Jahr Grundsatzreferentin für Familienpolitik am Deutschen Jugendinstitut e.V. in München. Sie promovierte zu dem Thema, zu dem sie sich jetzt wieder zu Wort meldete: „Die Familie, der Schmutz und das Geld. Reformulierung des Privaten im Kontext personenbezogener und haushaltsnaher Dienstleistungsarbeit“. Sie war wissenschaftliche Geschäftsführerin am Forschungszentrum Gender Studies der Universität Bremen. Ihre Interessensschwerpunkte: Unterstützungs- und Transfersysteme von und für Familien sowie Kompetenzentwicklung und Partizipation für sozial benachteiligte Familien.
Carla Sappok, 48, zwischen 2000 und 2005 leitete sie das Gemeinschaftsbüro von SWR, BR und MDR in Brüssel; seit Mitte 2006 ist sie Redaktionsleiterin von „Aktuelle Information“ des SWR 1.
Die Veranstaltung findet statt im Rahmen des länderübergreifenden Projektes "Ladies Lunch on Tour" mehrerer Landesstiftungen der Heinrich Böll Stiftung und des Gunda-Werner-Instituts für Feminismus und Geschlechterdemokratie in der Bundesstiftung.
Do, 28. Juni, 18.00 Uhr
TurmForum im Hauptbahnhof, Stuttgart
Ladies Lunch möchte auch informelle Vernetzungsmöglichkeiten bieten: anschließend sind die Teilnehmerinnen zum Weiterdiskutieren beim Buffet eingeladen.
Informationen zum Download:
Barbara Thiessen:
Geschlechtergerechte Familienpolitik
Grüne Eckpunkte Kinderbetreuungskarte
Grünes Papier zur Familienpolitik
