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VeranstaltungenArchiv2008-1999
Heinrich Boell

Seminar

Identität-Europa

Perspektiven für die junge Generation

15. - 18. November 2001

Jugendgästehaus Freiburg

 

Die wirtschaftliche Einigung Europas schreitet in einem rasanten Tempo voran, die Einführung des Euro setzt ein spürbares Zeichen. Aber nicht nur die Debatte um die Einführung einer gemeinsamen Währung, auch die Distanz der Bevölkerung zu den Institutionen der EU und ein teilweise wieder erwachender Nationalismus – insbesondere angesichts der Osterweiterung – weisen auf gesellschaftliche Ungleichzeitigkeiten hin.

Was auf wirtschaftlicher Ebene praktiziert und auf politisch-institutioneller Ebene (nach-)vollzogen wird, ist gesellschaftlich-kulturell längst (noch) keine Selbstverständlichkeit.

Gleichzeitig schreitet auch auf kultureller Ebene die Globalisierung fort; bei der Jugend(sub)kultur ist dies besonders deutlich. Es gilt jedoch auch für die Mainstreamkulturen: Das maßgebliche Musik- und Filmbusiness ist transnational; SpitzensportlerInnen werden weltweit eingekauft, Fußballmannschaften sind multi-ethnisch.

Laut Umfragen verstehen sich Jugendliche zunehmend nicht mehr als Deutsche, sondern als EuropäerInnen. Dies mag in Deutschland - aufgrund des gebrochenen Verhältnisses zur eigenen Nation mit ihrer faschistischen Vergangenheit - besonders ausgeprägt sein. Aber auch in anderen Ländern tritt ein europäisches Bewusstsein an die Stelle der nationalen Identität.

Es ist noch ein vages Selbstverständnis, das im Alltag oft genug von nationalstaatlichen Bürokratien schweren Prüfungen ausgesetzt ist. Und nicht zu übersehen sind die Widersprüche, die sich in Deutschland beispielsweise in der hitzigen Debatte um die Frage, ob man stolz sein kann, ein Deutscher zu sein und im Streit um eine deutsche Leitkultur in der Migrationsdiskussion spiegeln und in sogenannten national befreiten Gebieten gipfeln.

Globalisierung, Migration und das Aufbrechen traditioneller Lebenszusammenhänge setzen nicht nur neue Maßstäbe im Sinne neuer Möglichkeiten, sondern sie setzten auch Ängste frei, vor allem bei den (vermeintlichen) VerliererInnen. Um so erfreulicher ist es, dass die große Mehrheit der jungen Generation mit Nationalstolz und Nationalismus wenig am Hut hat.

  • Was macht heute Identität aus?
  • Wie konstituiert sich europäisches Bewusstsein?
  • Wo gibt es Ansatzpunkte für eine europäische Kultur?
  • Welche kulturellen Bedingungen braucht eine lebendige europäische Zivilgesellschaft?

Dies waren die Ausgangsfragen des Seminars, in dem es darüber hinaus ging um - Regionale Bindung, nationale Identität, multiethnisches Selbstverständnis und europäisches Bewusstsein, - Bedeutung von Identität für die europäische Zivilgesellschaft, - Rolle der Jugend(sub)kulturen als WegbereiterInnen für eine europäische Identität, - Rolle der Medien für eine europäische Öffentlichkeit und ein europäisches Bewusstsein, - Die Osterweiterung als Herausforderung im europäischen Identitätsfindungsprozess.

 

Leitung

Annette Goerlich, Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg

 

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