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VeranstaltungenArchiv2008-1999
Heinrich Boell

Jahrestagung

Wir werden alt! Wir werden weniger! Na und?

 

Samstag, 20. November 2004

Haus der Architekten

Danneckerstr. 54, Stuttgart

 

Die steigende Lebenserwartung und die sinkende Geburtenrate verändern die Gesellschaft grundlegend. Der Alterungsprozess der Gesellschaft hat Auswirkungen, die Politik, Wirtschaft, Arbeitswelt, Kultur, Medizin, Ethik und Familien herausfordern und nach einem neuen gesellschaftlichen Leitbild verlangen.

Bietet Schrumpfung Chancen für qualitatives Wachstum, für Wohlstand in einem umfassenden Sinn, für eine ökologisch nachhaltige Entwicklung?

Ist der Geburtenrückgang das eigentliche Problem? Stellt er den Fortbestand der gesellschaftlichen Grundlagen in Frage? Bedeuten weniger Kinder weniger Wohlstand, weniger Dynamik, weniger Innovation und weniger Lebensqualität? Brauchen wir eine Bevölkerungspolitik à la francaise?

Oder muss sich Politik darauf konzentrieren Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die die Kinderwünsche vieler junger Frauen und Männer in der Realität brechen?

Gibt die Bevölkerungsentwicklung endlich den Schub für die längst überfällige Integration von MigrantInnen und Investitionen in Bildung?

Ist die Entwicklung so neu und so dramatisch wie sie in manchen Untergangsszenarien beschworen wird? Oder dient die Rede von der "demografischen Zeitbombe" als Vorwand zur Demontage des Sozialstaats, indem künstlich Handlungsdruck aufgebaut und Alternativlosigkeit vorgegaukelt wird? Teilen manche dieselbe Absicht, die das Argument Generationengerechtigkeit im Munde führen?

Ist das Eintreten für die derzeitigen sozialen Errungenschaften bloße Besitzstandswahrung für den männlichen Normalarbeitnehmer, der immer mehr zur Ausnahme wird? Was soll der Sozialstaat sicherstellen? Wie kann gesellschaftliche Spaltung verhindert werden?

Meinen wir mit Gerechtigkeit auch Teilhabe-Chancen, Zugang zu Bildung und Erwerbsarbeit und Mitwirkungsmöglichkeiten?

Die Tagung findet statt im Rahmen des länderübergreifenden Projekts "Staatlichkeit und Bürgerschaftlichkeit " mehrerer Landesstiftungen der Heinrich Böll Stiftung und der Bundesstiftung.

 

 

Programm

 

13.00

Begrüßung

Heike Schiller

Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg

 

13.15

Sind wir Spitze?

Die Debatte über die Bevölkerungsentwicklung in Baden-Württemberg

 

Edith Sitzmann, MdL

Mitglied der Landtags-Enquetekommission "Demografischer Wandel - Herausforderung an die Landespolitik"

 

13.30 Panel I

Mehrheitsgesellschaft im Schwinden?

Bevölkerungspolitik, Zuwanderung, Integration, Identitäten

 

Gisela Anna Erler

Gründerin und Geschäftsführerin des Familienservice, Autorin

 

Hasan Cil

promoviert über das türkische Generationenverhältnis in Deutschland

Thesen

 

Katja Husen, MdHB

frauenpolitische Sprecherin im Bundesvorstand Bündnis 90/Die Grünen

 

Franziska Brantner

Stipendiatin des Studienwerks der Heinrich Böll Stiftung

Thesen

 

Moderation

Ute Brümmer, Heinrich Böll Stiftung

 

Gisela Erler, Mitautorin des einst heiß umstrittenen Müttermanifests sieht den dramatischen Geburtenrückgang in Deutschland als Problem, das aktive Schritte von Politik und Unternehmen erfordert. Welche Rolle kann Immigration spielen und welchen Einflüssen unterliegen Migrationsfamilien?

Hasan Cil schrieb die Erfahrungen der ersten Generation der türkischen GastarbeiterInnen nieder, arbeitet heute mit türkischen SeniorInnen und sortiert gerade auch ganz privat im Erziehungsurlaub das Generationenverhältnis neu.

Katja Husen thematisiert die Folgen der demografischen Debatte auf junge Frauen zwischen Kinderwunsch und Gebärstreik, zwischen Eltern sein und Eltern pflegen.

Franziska Brantner promoviert zwischen Köln, Paris und New York und betrachtet das deutsche Phänomen als Grenzgängerin.

 

15.15 Kaffeepause

 

15.45 Panel II

Schrumpfen als Chance?

Wie steht das "alte" Europa weltweit da?

Zukunftsfähigkeit, Nachhaltigkeit und die Rolle des Sozialstaats

 

Steffen Kröhnert

Berlin-Institut für Weltbevölkerung und globale Entwicklung

 

Karl-Otto Schallaböck

Wuppertal-Institut

 

Michael Schlecht

Ver.di, Bereich Wirtschaftspolitik

 

Kerstin Andreae

MdB, Bündnis 90/Die Grünen

 

Moderation

Steffen Sigmund, Uni Heidelberg

 

Steffen Kröhnert stellte als Mitarbeiter der Studie "Deutschland 2020 – die demografische Zukunft der Nation" eine flächendeckende Rangliste in Sachen Zukunftsfähigkeit auf.

Karl-Otto Schallaböck vertritt die These, dass es keinen Automatismus zwischen Nachhaltigkeit und Bevölkerungsrückgang gibt.

Michael Schlecht ist als Mitarbeiter des Bereiches Wirtschaftspolitik von Ver.di Co-Autor der umstrittenen Broschüre "Mythos Demografie".

Kerstin Andreae sieht eine soziale Gefahr in der demografischen Entwicklung und stellt die Frage der Gerechtigkeit zwischen den Generationen.

 

17.30 Buffet

 

18.30 Debatte

Herausforderungen der demografischen Entwicklung für Wirtschaft, Arbeitswelt und Politik

 

Günther Fleig

Personal & Arbeitsdirektor im Vorstand von DaimlerChrysler

 

Reiner Hoffmann

stellvertretender Generalsekretär Europäischer Gewerkschaftsbund

 

Reinhard Bütikofer

Bundesvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen

 

Moderation

Jürgen Schmitz, Südwestrundfunk

 

Weitere Informationen zum Thema:

 

 

 

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