Schutzimpfungen

 

Ein Konflikt zwischen öffentlicher Gesundheitsvorsorge und individueller Entscheidungsfreiheit

 

Ob Masern oder Windpocken: Das Thema Schutzimpfungen beschäftigt und spaltet Fachleute und Eltern. Oft wird die Diskussion emotional geführt und sie bietet sich an, Ängste vor Infektionskrankheiten bzw. Impfschäden zu schüren. BefürworterInnen unterstützen hohe Durchimpfungsraten bis hin zur Forderung einer Impfpflicht, um die Bevölkerung optimal zu schützen. Bei den ImpfkritikerInnen reicht das Spektrum von der generellen Ablehnung von Impfungen bis zu einer differenzierten Betrachtung der jeweiligen Impfung und Einzelfallentscheidung.

 

Unter dem Eindruck der Masern-Epidemie 2006, von der rund 350 Kinder und Jugendliche in Nordrhein-Westfalen betroffen waren, gipfelte die Diskussion in weitgehenden Beschlüssen des Deutschen Ärztetages. Dieser forderte mit einer Impfpflicht den Eltern die Entscheidungsfreiheit über Schutzimpfungen zu nehmen und das Verbot impfkritischer Äußerungen für ÄrztInnen. Er forderte außerdem, Kinder nur noch mit einem vollständigen Impfstatus in öffentliche Gemeinschaftseinrichtungen, wie Kinderkrippen, -gärten und Schulen aufzunehmen.

 

Damit griff der Deutsche Ärztetag auf die US-amerikanische Praxis "No shot, no school" zurück. Welche Erfahrungen wurden in den USA damit gemacht? Wie gehen andere Länder mit dieser Situation um?

 

Die deutsche Politik ist deutlich zurückhaltender mit der Umsetzung einer Impfpflicht, da es sich nach hiesigem Recht um eine Körperverletzung handelt, wenn die Betroffenen oder deren gesetzliche VertreterInnen nicht einwilligen. Außerdem spielen im Zuge der zunehmenden Eigenverantwortung im Gesundheitswesen die Mitentscheidungen von PatientInnen, der Prozess partizipativer Entscheidungsfindung eine wachsende Rolle.

 

Zur Diskussion steht das Verhältnis von individueller Selbstbestimmung und kollektiver Gesundheit.

 

  • Ist das Ziel, die Bevölkerung kollektiv zu schützen, mit den individuellen Entscheidungsspielräumen für oder gegen eine Impfung vereinbar?

  • Wie können individuelle Entscheidungsspielräume geschützt werden?

  • Wie weit reicht die Verantwortung des Individuums gegenüber der Gemeinschaft?

  • Welche Rolle spielen Beratung, unabhängige Informationen und ExpertInnengremien wie die Ständige Impfkommission (STIKO)?

 

Masern und Windpocken sind Beispiele, die das Konfliktfeld beleuchten. Obwohl es sich um eine rein individuelle Impfung ohne Konsequenzen für die Allgemeinheit handelt, greifen wir auch die aktuelle Diskussion um die HPV-Impfung auf, die gegen bestimmte Erreger von Gebärmutterhalskrebs von der STIKO für Mädchen von 12 bis 17 Jahren empfohlen wird. Kritiker führen die kurze Erprobungszeit und Nebenwirkungen an. In breiten Kreisen wurde in diesem Zusammenhang Zweifel an der Unabhängigkeit der STIKO laut.

 

An der Podiumsdiskussion nehmen teil:

 

Peter Kimmig

Honorarprof. Uni Hohenheim,  bis 2007 in der Abteilung Hygiene und Infektionsschutz des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg tätig

 

 

Jan Matthias Hesse

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Medizinrecht, Stuttgart

 

 

Michael Sturm

Kinder- und Jugendarzt, Giengen a. d. Brenz,

Stv. Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Baden-Württemberg

Statement

 

 

 

Martin Hirte

Kinder- und Jugendarzt in München, Ärzte für individuelle Impfentscheidung

Statement

 

 

 

Biggi Bender, MdB

gesundheitspolitische Sprecherin Bündnis 90/Grüne im Bundestag
Statement

 

 

Moderation

Carmen Huckel Schneider

Vorstand Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg

 

 

 

 

Diskussion

 

 

 

 

Mi, 2. Juli, 18 Uhr

TurmForum im Hauptbahnhof Stuttgart

 

weitere Informationen:

 

„Schutzimpfungen in Baden-Württemberg“

 

Antrag und Stellungnahme

 

Landtag von Baden-Württemberg

 

vom 12.06.2002

 

 

 

 

Dr. med Günter Pfaff (Landesgesundheitsamt BW):

 

Impflücken bei Schulanfängern schrumpfen fast überall

 

Aus: Ärzteblatt Heft 1/2008, S. 20

 

 

 

 

Beschlüsse des Deutschen Ärztetages von 2006

 

 

 

 

Ingrid Rosian-Schikuta, Barbara Fröschl, Claudia Habl, Heidi Stürzlinger:

 

Die Masern-Mumps-Rötel-Impfung aus gesundheitspolitischer und ökonomischer Sicht,

 

Schriftenreihe HealthTechnology Assessment (HTA) in der BRD, Bd. 62