Lebendige Bibliothek digital | LSBTTIQA+

Es funktioniert wie in einer richtigen Bibliothek - aber mit lebenden Büchern. Menschen aus der LSBTTQIA+ Community beantworten Fragen und erzählen aus ihrem Leben. In einem wertschätzenden Dialog können Menschen, die sich vielleicht niemals begegnen würden, miteinander sprechen und besser verstehen lernen.

Sie möchten als Leser*in dabei sein? Dann leihen Sie sich ein Buch aus.

Ein Buch ist eine Person, die aus ihrem Leben erzählen möchte und "wie ein offenes Buch" Erfahrungen, Erlebnisse und Geschichten teilt. Als Leser*in sind Sie neugierig, offen und stellen Fragen, die Sie interessieren und Ihnen das Thema des Buches näher bringen kann.

Anmeldung bei Sabine Demsar

Eine Veranstaltung im Rahmen des Kulturfestivals des CSD Stuttgart.

Über einen unbekannten Begriff gestolpert? Eine Erklärung findet sich möglicherweise hier oder hier.

Die Titel und Beschreibungen in der Bibliothek sind von der jeweiligen Person verfasst worden.


Programm

  • Begrüßung im Plenum mit kurzer Vorstellungsrunde aller Teilnehmenden
  • Christoph Michl, Organisator CSD Stuttgart: Einblicke und Ausblicke
  • Christine Wehner, Bereichsleitung Entwicklung Neue Lernformate, Anne Frank Zentrum: Das Format "Lebendige Bibliothek" und Kommunikationsregeln
  • Zweiergespräche zwischen Buch und Leser*in, max. 30 Minuten
  • Gemeinsame (freiwillige) Auswertung im Plenum

Unsere Lebendige Bibliothek

Grenzen kultureller Normen

Fender Schrade ist Musiker, Performer und Medieningenieur und lebt in Stuttgart. Er studierte audiovisuelle Medien in Stuttgart und ist seit 2013 Teil des Künstlerduos NAF. NAF arbeiten in den Bereichen Performance, Musik, Theater, Video und Bildende Kunst. Seine Arbeiten beschäftigen sich mit den Grenzen kultureller Normen und Medientechnologien aus einer trans*feministischen Perspektive.

Fender Schrade unterhält sich auf Deutsch. AUSGELIEHEN


Im anderen Körper – Leistungssport und Familie

 

Ich messe mich mit Männern auf den Höhen des Sports im Körper eines Mannes und empfinde hierbei als Frau. Wieso hat Sport für den Mann solch eine Bedeutung? Gibt es einen tieferen Sinn dahinter, den zu verstehen ich vielleicht einfach nur nicht in der Lage bin? Als WER begegne ich Männern dort? WIE begegne ich ihnen dort? Was fühle ich in den Momenten gemeinsamer sportlicher Aktivität?

Was sagt meine Familie zu mir? Meine Kinder? Wieso ist es so unendlich schwer und schmerzhaft, „Ich (zu) sein“?
WIR können uns hier, in diesen wenigen Stunden an diesem Platz treffen jenseits von dem, was RICHTIG IST und jenseits von dem, was FALSCH IST.

Sophie unterhält sich auf Deutsch. AUSGELIEHEN


2. Reihe und okay!?

Vielleicht hätte ich bessere Jobs haben können, wenn ich mein Schwulsein entsprechend eingesetzt hätte. Im Theatermetier gab und gibt es ja immer wieder schwules Führungspersonal, das sich me-too-mäßig benahm bzw. benimmt. Aber da habe ich nicht mitgespielt. Lieber nicht der tolle Job, dafür aber ein „reines Gewissen“. Und ohne mein Leben in der zweiten Reihe hätte ich nie die Menschen kennengelernt, die es mir dann auch noch ermöglicht haben, Vater zweier toller Kinder zu werden.

Herr Dietrich unterhält sich auf Deutsch. AUSGELIEHEN


Irgendwie anders – Wenn die Schublade nicht passt…

 

In meinem Buch geht es um mein Leben außerhalb des binären Geschlechtssystems unserer Gesellschaft, um mein Auseinandersetzen mit den Normen und Erwartungen der selbigen und nicht zuletzt um mein Auseinandersetzen mit mir selbst. Ich freue mich, Dir oder Ihnen von meinen Erfahrungen mit verbreiteter Heteronormativität oder dem Gefühl, wenn man einfach nicht in die gesellschaftlichen Schubladen zu passen vermag, zu erzählen. In diesem Buch kann es um nicht binäre Geschlechtsidentität, die Reflexion mit dem eigenen Selbst oder Tücken und Unsicherheiten bei Entscheidungen einer Transition, sei sie gesellschaftlich oder medizinisch, gehen. Auch um heutige Akzeptanz bei einem Trans* Outing im schulischen Umfeld oder um die Problematiken der deutschen (binär aufgebauten) Sprache für nicht binäre Menschen kann es gehen. Ich bin angehend studierend in Physik, nicht binär bzw. grey Agender und pansexuell und freue mich auf eine interessante Begegnung.

Cade unterhält sich auf Deutsch oder Englisch. AUSGELIEHEN


Bin ich queer genug? Unsichtbare Bisexualität

Bin ich jetzt hetero, wenn ich als Frau mit einem Mann zusammen bin? Habe ich „genug“ Diskriminierung erfahren, um beim CSD für Gleichberechtigung zu kämpfen? Wie geschlechterbinär ist das Wort bisexuell, sollte ich lieber pansexuell benutzen? Welche Definition finde ich passend?

Diese und viele weitere Fragen haben mich im Laufe der Entdeckung meiner sexuellen und romantischen Orientierung beschäftigt, einige habe ich für mich beantworten können, andere begleiten mich immer noch, wahrscheinlich mein Leben lang.

KiSa (sie) unterhält sich auf Deutsch oder Englisch. AUSGELIEHEN


Lesben raus!

Es heißt, Lesben sind unsichtbar und eine aussterbende Identität. Angesichts der historisch einmaligen Situation, dass mehrere Generationen in einer toleranteren Gesellschaft sich offen zeigen können, hätte es über die Jahre eine steigende lesbische Präsenz geben müssen.
Stattdessen dominieren schwule Männer Bild und Themen.
Wenn von Homosexuellen gesprochen wird, dann werden Lesben „mitgemeint“. Wenn es um LSBTTI*-Themen geht, werden selten lesbische Expertinnen befragt. Angeblich gäbe es sie nicht, heißt die Entschuldigung. Auch scheint es, „Queer“ wird lieber zu einer alternativen Identität erhoben, als sich „Lesbe“ zu nennen. Was ist da los?

Maike (sie) stellt das Buch von Stephanie Kuhnen (Hrsg.) vor und unterhält sich auf Deutsch. AUSGELIEHEN


Scal Rise - Oder: Wie bitte stellt man sich seinen eigenen Eltern vor?

Mein Name ist Scal. Ich bin 25 Jahre alt, trans nicht-binär genderfluid und obendrein auch
noch pansexuell und Teil eines polyamörsen Clusters. Ein Partner ist agender und greyace,
der andere cis allo.
Man könnte sagen, alles an mir fällt aus der Norm, was dazu führt, dass ich beinahe täglich
etwas aus meinem Alltag erklären muss.
Gerade meine Eltern und Familie haben wohl kaum erwartet, dass ich "so" werde und waren
entsprechend überrascht und teilweise auch überfordert mit dem "neuen" Ich, dass ihnen da
plötzlich begegnete.
Ich habe Heilerziehungspflege gelernt und arbeite nun in diesem Beruf in einem Kinderheim
für Kids zwischen 3 und 9 Jahren. Dort bin ich als trans geoutet, was viele Fragen aufwirft.
In meiner Freizeit arbeite ich mit anderen trans Kindern und Jugendlichen.
Ich bin es also gewohnt, zu erklären, zu erzählen und gemeinsam Fragen auf den Grund zu
gehen. Deshalb trau dich und lern mich gerne kennen.

Scal (they) unterhält sich auf Deutsch oder Englisch. AUSGELIEHEN


Queer Refugees - das Grundrecht auf Asyl für Menschen aus der LSBTTIQ+ und Transcommunity

In 11 Ländern auf der Welt wird gleichgeschlechtliche Liebe mit der Todesstrafe ausgesetzt. Dazu gehören Länder wie Iran, Afghanistan, Sudan oder Somalia, aus denen viele Mitbürgerinnengeflüchtet sind. Einige fliehen vor Verfolgung und Unterdrückung nach Deutschland. Sie müssen in unserem Land Aufnahme, Schutz und angemessene Unterstützung finden. Leider werden Länder wie Afghanistan für Schwule, Lesben und Trans als sichere Herkunftsländer deklariert.

Madina Mohamed lebt fast ihr ganzes Leben in Deutschland, hat sich mit den Themen "Queer Africa" und Fluchtursachen beschäftigt und definiert sich als Bi-Sexuelle/Queere Schwarze Frau.

Madina Mohamed (sie) unterhält sich auf Deutsch. AUSGELIEHEN


Aromantische und asexuelle Perspektiven auf Queerness, Gesellschaft und Persönlichkeit

Ich möchte die lebendige Bibliothek um eine weitere aromantische und asexuelle Perspektive bereichern. Ich bin mit Anfang 20 zufällig über diese Wörter gestolpert, bin nach einigen stillen Monaten mittlerweile sehr aktiv und gestalte die deutschsprachige Community mit. Zu meinen Lieblingsthemen gehören die große Diversität der Community, die von außen häufig nicht so wahrgenommen wird, asexuelle Unsichtbarkeit, aromantische Beziehungen und Kritik an der allonormativen Gesellschaft. Ich erzähle auch gerne von meinem Weg zum A*-Spektrum, meinen Schwierigkeiten, meine Identität zu finden und zu beschreiben – und was danach kam.

Lea (sie) unterhält sich auf Deutsch oder Englisch. AUSGELIEHEN


Vom Himmel forder ich die schönsten Sterne und von der Erde jede höchste Lust...

... dieser Wunsch prägt mich als Autorin mein Leben lang und damit auch meine Bücher. Sexuelles Erleben und das Schreiben darüber sind für mich wichtigstes Lebenselixier und Inbegriff meiner Freiheit. In meinen Romanen ist Sexualität ein mäanderndes Fluidum, das mal hierhin, mal dorthin gleitet und ganz in der Magie des Moments lebt, als glückbringende Einheit von Zeit und Ort. Diese Magie zeichne ich schreibend nach, auch in meinem neuesten Buch ‚Ladys, Lust & Leidenschaft‘. In 13 Situationen, die unterschiedlicher nicht sein könnten erleben Menschen kurze innige, sexuell aufgeladene Begegnungen. Flughäfen und Filmsets, Gärten und Hotels, Bars und der wilde Westen sind Schauplätze dieser queeren Lebenswelten. Sie weisen auf die existentielle Dimension des Sexuellen hin und auf unsere Suche nach dem perfekten Glücksgefühl.  

www.karin-rick.at

Karin Rick (sie) unterhält sich auf Deutsch oder Englisch. AUSGELIEHEN


QUEERPOLITIK IN BADEN-WÜRTTEMBERG: EIN BLICK HINTER DIE KULISSEN

Mein Buch ist ein politisches Sachbuch und ein persönlicher Erfahrungsbericht. Als Landesvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Baden-Württemberg schlägt mein Herz für Vielfalt und Zusammenhalt in unserer freien, offenen und vielfältigen Gesellschaft. Für Akzeptanz und gleiche Rechte haben wir in Baden-Württemberg gemeinsam mit der Regenbogen-Community viel bewegt und viel erreicht. Im Rahmen der lebendigen Bibliothek möchte ich mit Euch einen Blick hinter die Kulissen der Landespolitik werfen: Wie haben wir Grüne die Proteste der radikalen Gleichstellungsgegner*innen gegen den Bildungsplan erlebt? Wie führt man Koalitionsverhandlungen mit der CDU im Bereich der Queerpolitik? Wo stehen wir heute und welche Ziele wollen wir erreichen? Darüber möchte ich mit Euch ins Gespräch kommen und freue mich auf interessante Begegnungen.

Oliver Hildenbrand (er) unterhält sich auf Deutsch. AUSGELIEHEN


Asexuell? Aber du hast doch Kinder?

Es gibt tatsächlich asexuelle Männer mit Familie. Ich gehöre zu der Hälfte asexueller Menschen, die zwar keine sexuelle Anziehung spüren und sexuelle Handlungen nie initiieren, aber einem Partner zuliebe keine Scheu vor Sex haben. Dennoch bleiben diese gemischtorientierten Beziehungen problembehaftet. Ich teile in vielen Lebensbereichen mit den meisten asexuellen Menschen sehr ähnliche Erfahrungen - in der Jugendzeit und im Kollegen‐ oder Freundeskreis, in der stark heteronormativ sexualisierten Gesellschaft. Dass Asexualität als queere Orientierung kompliziert zu erklären, sehr unbekannt und nahezu unsichtbar ist, macht es nicht leichter

Martin (er) unterhält sich auf Deutsch. AUSGELIEHEN


Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg als Vielfaltsverstärkerin

Pressemitteilung

Lebendige Bibliothek digital | LSBTTIQA+

Menschen aus der Mehrheitsgesellschaft treffen auf Menschen aus der LSBTTIQA+ Community und schlüpfen in ihre Rollen als Leser*innen und Bücher für einen wertschätzenden Dialog.

LSBTTIQA+ steht für lesbische, schwule, bisexuelle, transgender, transsexuelle, intersexuelle, queere sowie asexuelle und aromantische Menschen. Das + am Ende berücksichtigt, dass manche Menschen sich in ihrer Geschlechtsidentität nicht nur auf einen der Begriffe festlegen. Weitere Begriffserklärungen finden sich zum Beispiel hier.

Lebende Bücher

Ein Buch ausleihen, das lebendig ist? Ja! In der lebendigen Bibliothek ist das Buch ein Mensch und spricht über eigene Erlebnisse - der Diskriminierung wie der Selbstbehauptung -  und  beantwortet Fragen. Dieses Format bringt Menschen zusammen, die sich  vielleicht sonst nie begegnet wären. So können sie sich annähern und verstehen lernen, denn „der Spott endet, wo das Verständnis beginnt“, sagte bereits die Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach.

Analog ist intensiver, aber auch digital funktioniert Vielfaltsverstärkung

„Wir wollten diese Austauschmöglichkeit einmal digital ausprobieren“, so Roxane Kilchling, Bildungsreferentin der Heinrich Böll Stiftung. Als Premiere bot sich an, Menschen aus der LSBTTQIA+ Community einzuladen und in das Kulturfestival des CSD Stuttgart einzubinden. Christoph Michl, Organisator des CSD, begrüßte das Konzept – ein  willkommener Brückenschlag in einem Jahr, in dem wegen der Pandemie viele Veranstaltungen ausfallen. Als Vielfaltsverstärkerin unterstützt die Böll Stiftung das diesjährige Motto des CSD: „Vielfalt braucht Verstärkung“ vollkommen. Michl betonte, dass gerade jetzt, in Zeiten von Unsicherheit, ein gemeinsames Handeln wichtig ist. Mit Diskussionen auf Augenhöhe können die vielen Dimensionen von Vielfalt in der Gesellschaft sichtbar gemacht werden - denn „dann wird sich Vielfalt für alle lohnen.“ Die Themen der beteiligten Bücher reichten von aromantischen und asexuellen Perspektiven auf Queerness, Queerpolitik in Baden-Württemberg über Queer Refugees bis hin zu unsichtbarer Bisexualität oder Transsein im (männlichen) Leistungssport.

„In analoger Form ist natürlich ein noch intensiverer Austausch möglich“, meint Christine Wehner vom Anne Frank Zentrum in Berlin, das vielfältige Erfahrungen mit Lebendigen Bibliotheken hat -  vor allem mit jüdischen Lebenswelten. Sie stellte das Konzept der Lebendigen Bibliothek vor, das ursprünglich aus Dänemark stammt. Stets geht es darum, stereotype Vorstellungen gegenüber Minderheiten bewusst zu machen und so idealerweise diskriminierendes Verhalten zu verändern. Immer gilt, dass Kommunikationsregeln verabredet werden und jede Frage gestellt werden darf, aber nicht beantwortet werden muss.

„Ehrlich, inspirierend und bereichernd“

„Die Gespräche, die ‚inspirierend, ehrlich und bereichernd‘ waren, so einige der Rückmeldungen von Teilnehmer*innen, bestärken uns darin dieses Format auszubauen und weitere Perspektiven aufzugreifen“, sagt Annette Goerlich, stellvertretende Geschäftsführerin der Stiftung.

Kontakt

Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg
Sabine Demsar
demsar@boell-bw.de
0711 2633 94-10