Irak nach 20 Jahren: Abschied aus Bagdad

„Die Hoffnung ist nicht tot, aber sie kommt daher wie ein Bettler", so Birgit Svensson, 20 Jahre lang Nahostjournalistin in Bagdad.

Die irakische Gesellschaft lebt mit Kriegen. Aber die Auswirkungen des aktuellen Iran-Krieges erschüttern das Land, das gerade weniger von Anschlägen heimgesucht wurde und mit dem Wohlstand des Ölverkaufs den Wiederaufbau versuchte.

Der Irak ist das Schlüsselland für die Entwicklung des Nahen und Mittleren Ostens. Das sagt Birgit Svensson, die nach mehr als 20 Jahren als Nahostjournalistin Bagdad verlässt. Im Juni 2026 berichtete sie in der Galerie Arabeske, dem Kulturzentrum der Freunde Arabischer Kunst und Kultur in Heidelberg und in der Stiftung Geißstraße Stuttgart. Ihre Bilanz fällt düster aus. Der Iran-Krieg trifft ein Land, das sich einerseits versuchte, wirtschaftlich zu stabilisieren, andererseits stehen Frauenrechte massiv unter Druck, Aktivist*innen werden eingeschüchtert, und der Klimawandel treibt Menschen vom Land in die Städte.

Inmitten von Trümmern und zerstörten Gebäuden ist an einer noch stehenden Wand ein farbiges Wandgemälde zu sehen: ein kleines Mädchen im blauen Kleid, das einen Teddybären hält und mit dem Rücken zur Betrachterin steht, umgeben von stilisierten Bomben oder Raketen am Boden.

Frauenrechte unter Druck

25 Jahre war Svensson Auslandskorrespondentin in der Region, vor 20 Jahren zog sie nach Bagdad. Krieg, Terror und Gewalt gehörten in dieser Zeit zu ihrem Alltag, es sei bereits ihr vierter Krieg, sagt sie nach dem Angriff der USA und Israels auf den Iran, aber der schwierigste. Zugleich habe sie nicht nur über Konflikte berichtet, sondern über Jahre kulturelle und zivilgesellschaftliche Initiativen begleitet, darunter Frauen, die sich Fortschritte erkämpft hatten.

Die repressive Antwort kam prompt: 2025 wurde Frauen die Scheidung erschwert, beim Erben wurden sie benachteiligt und Frühehen legalisiert, wie das ZDF und die Menschenrechtsorganisation Wadi berichteten. Hatten Frauen 2024 noch dagegen protestiert, verhindert das repressive Regime jetzt Widerstand. Darunter leiden auch zivilgesellschaftliche Projekte wie die Frauen-Schreibwerkstatt INANA, die Birgit Svensson ins Leben gerufen hat und die aus Deutschland gefördert wurde. Das Netzwerk war bereits mehrfach in der UNESCO City of Literature Heidelberg zu Gast. Aus Angst, ihren Job zu verlieren, und weil auch ihre Familien eingeschüchtert werden, trauen Frauen sich nicht mehr in die Öffentlichkeit. Aktivist*innen werden entführt und ermordet. Reine Frauenveranstaltungen sind verboten, Gender, LGBTQI und Empowerment sind Unworte. Zwar gilt für das Parlament eine Frauenquote von 25 Prozent, doch wer aufgestellt und gewählt wird, steht auf einem anderen Blatt, und sie werden von Entscheidungspositionen und Regierungsverantwortung ferngehalten.

Klimawandel und Wasserknappheit im Irak

Der Klimawandel macht den Menschen im Land zusätzlich zu schaffen. Der Irak profitiert mit seinen Ölexporten an der Fossilindustrie und trägt so zum Klimawandel bei. Zugleich zählt er nach dem Global Environment Outlook 6 des UN-Umweltprogramms UNEP zu den fünf am stärksten vom Klimawandel betroffenen Ländern der Welt. Anhaltende Temperaturen von 40, manchmal über 50 Grad im Sommer, schwere Dürren, Sandstürme und Wasserknappheit durch den Rückgang von Euphrat und Tigris führen zu Landflucht von Bauern und der Überlegung, ganze Städte aufzugeben. Die Energieversorgung ist unzuverlässig, ölbetriebene Generatoren springen ein und treiben die Emissionen weiter nach oben.

Deutschland will den Kampf gegen die Auswirkungen des Klimawandels im Irak unterstützen, im Gegenzug für die Rückkehr von in Deutschland lebenden irakischen Geflüchteten ohne Aufenthaltsgenehmigung, wie beispielsweise das Bundesfinanzministerium 2023 mitteilte.

Was der Iran-Krieg für die Region bedeutet

Der aktuelle Iran-Krieg werfe alles durcheinander, sagt Svensson, niemand könne sagen, wie es weitergehe. In einem Punkt ist sie sich sicher:

Der Nahe und Mittlere Osten wird nicht mehr der gleiche sein wie vor dem Krieg.


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