Die Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg verknüpft den Rohstoffbedarf Baden-Württembergs mit den globalen Folgen des Abbaus und fragt, wie eine verantwortungsvollere Rohstoffpolitik aussehen kann.
Rohstoffbedarf und Abhängigkeit
Baden-Württemberg fördert selbst keine Metallerze und ist vollständig auf Importe angewiesen. Die ökologischen Folgen des Abbaus fallen damit vollständig in anderen Ländern an. Durch die Energiewende steigt der Bedarf noch weiter: besonders Aluminium, Kobalt, Lithium und Kupfer werden durch den Umstieg auf Elektromobilität deutlich mehr nachgefragt. Die Außenhandelsstatistiken zeigen außerdem, dass viele Produkte zwar aus Europa stammen, die Herkunft der darin enthaltenen Rohstoffe aber oft nicht nachvollziehbar ist.
Fünf Fokusrohstoffe
Über ein mehrdimensionales Bewertungsschema (wirtschaftliche Bedeutung, Mengenrelevanz, Versorgungsrisiken, Umwelt- und Menschenrechtskriterien) wurden fünf besonders relevante Rohstoffe für BW identifiziert: Bauxit/Aluminium, Kobalt, Kupfer, Lithium und Wolfram.
Stimmen aus dem Globalen Süden
Kernelement der Studie sind Interviews mit NGOs und Zivilgesellschaft in neun Abbauländern. Die wichtigsten Befunde:
- DR Kongo (Kobalt): Lieferkettenberichte verbessern die Lebensbedingungen vor Ort kaum. Es fehlt an lokaler Wertschöpfung und echter Beteiligung.
- Simbabwe (Lithium): Zwangsumsiedlungen, Zerstörung kultureller Orte, Gewalt gegen Frauen bleibt oft unsichtbar.
- Chile (Kupfer): Bergbau verlagert sich in küstennahe Regionen, was Konflikte um Wasser zwischen Bergbau, Landwirtschaft und Bevölkerung verschärft.
- Peru (Kupfer): Straflosigkeit bei Gewalt gegen Umweltaktivist*innen, mangelnde staatliche Kontrolle.
- Indonesien (Kobalt, Kupfer, Bauxit): Korruption und intransparente Entscheidungsprozesse blockieren nachhaltige Entwicklung.
- Ähnliche Muster in Vietnam, Mongolei und Guinea.
Handlungsempfehlungen
Für Politik: verbindliche Menschenrechts- und Umweltstandards in der Außenhandelspolitik, Importstopps für illegal abgebaute Rohstoffe, Kreislaufwirtschaft stärken (u.a. Recht auf Reparatur), metallurgische Infrastruktur und Kompetenzen ausbauen.
Für Unternehmen: Lieferkettentransparenz erhöhen, anerkannte Standards wie IRMA umsetzen, lokale NGOs einbinden, Zertifikatskäufe nicht als Ersatz für Verantwortung nutzen.
Für Banken/Finanzsektor: Sorgfaltspflichten konsequent anwenden, problematische Projekte nicht finanzieren.
Für Konsument*innen: langlebige Produkte wählen, Reparaturdienste nutzen, Unternehmen mit transparenten Lieferketten bevorzugen.