Politikkrimipreis 2024

Preisverleihung

Der diesjährige Preisträger steht fest. Wir gratulieren Horst Eckert mit seinem Politthriller Die Macht der Wölfe zum Politikkrimipreis der Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg.

Horst Eckert

Geboren am 7.5.1959 in Weiden/Oberpfalz, aufgewachsen im nahe gelegenen Pressath. Studium in Erlangen und Berlin, Abschluss als Diplompolitologe. Jobs als Bierschlepper und Fahrstuhlführer, Hospitant im Berliner ZDF-Studio. 1987 Umzug nach Düsseldorf, der Liebe wegen. 15 Jahre lang Fernsehreporter (u.a. WDR-Regionalfernsehen, Tagesschau, Vox, RTL-Nachtjournal), seitdem freier Schriftsteller.

Lesedauer: 5 Minuten
Die Macht der Wölfe

Horst Eckert wurde für seinen gesellschaftspolitischen Kriminalroman „Die Macht der Wölfe“ mit dem Preis der hbs BW ausgezeichnet, ein Werk, das sich durch seine fesselnde Handlung und gesellschaftskritische Tiefe auszeichnet. Der Roman thematisiert das Erstarken rechtspopulistischer und rechtsextremistischer Bewegungen in einer polarisierten Gesellschaft, exemplifiziert durch die hypothetische Figur eines charismatischen Anführers, der die Massen radikalisiert. Eckerts Buch ist nicht nur eine spannende Lektüre, sondern regt auch zum Nachdenken über die Fragilität der Demokratie an und ermutigt Leserinnen und Leser, sich für ihre Verteidigung einzusetzen, womit er den Politikrimipreis der Stiftung zurecht erhalten hat.


Rede zur Preisübergabe | Dr. Andreas Baumer


Liebe Krimifreundinnen und Krimifreunde,

es ist mir eine große Freude und Ehre zugleich, den diesjährigen Preis für den gesellschaftspolitischen Kriminalroman der hbs BW an Horst Eckert für die „Die Macht der Wölfe“ zu übergeben. Wir freuen uns sehr, dass die Jury mit gewohnt sicherem Gespür in diesem Jahr Horst Eckert diesen Preis zugesprochen hat.

Horst Eckert hat mit „Macht der Wölfe“ einen fesselnden und brisanten Thriller geschrieben. „Macht der Wölfe“ ist Gesellschaftskritik und Zeitdiagnose im besten Sinne. In seinem Roman greift Horst Eckert eine gefährliche Entwicklung unserer Gegenwart auf: Das Erstarken rechtspopulistischer und rechtsextremistischer Parteien und Bewegungen im Kontext einer zunehmend polarisierten und in Teilen radikalisierten Gesellschaft. Wir haben jüngst in Biberach erlebt, wie nahe solche Szenarien auch an der baden-württembergischen Realität sind.

Horst Eckert stellt dabei die Frage: Was wäre, wenn? Was wäre, wenn sich in dieser Konstellation ein charismatischer Anführer an die Spitze der Bewegung stellen würde – oder gestellt werden würde, wie es im Roman passiert?  Seine – literarische – Antwort ist mehr als beunruhigend: Der Führer bewegt die Massen und eilt – getragen von diesen Massen – von einem Erfolg zum nächsten. Eckert zeichnet diese Figur mit großer Hingabe: Ein Sportreporter, der über das Diktat der politischen Korrektheit stürzt – man darf ja nichts mehr sagen in diesem Land –, und sich dann in seiner Internettalkshow selbst radikalisiert. Ähnlichkeiten zu lebenden Personen sind natürlich ausgeschlossen

„Was wäre, wenn“, ist hier nicht nur ein gelungener literarischer Kunstgriff, sondern bringt die Leserinnen und Leser in Grübeln: Was wäre, wenn sich zum Auftrieb einer in immer größeren Teilen rechtsextremen Partei und einer zunehmenden gesellschaftlichen Polarisierung tatsächlich auch noch eine charismatische Führergestalt gesellen würde? Der Blick nach Frankreich, wo es eine Marine le Pen schon zwei Mal in die Stichwahl zum Präsidentenamt geschafft hat und jeweils nur durch einen Konsens aller Demokratinnen und Demokraten besiegt werden konnte, zeigt, dass solche Überlegungen nicht weit hergeholt sein müssen.

Unsere Demokratie und ihre Institutionen sind in ihrer Existenz nicht garantiert, sondern müssen beständig bestätigt und verteidigt werden. Das ist die Aufgabe von Demokratinnen und Demokraten – denn die Feinde der Demokratie planen ihren Angriff auf diese Institutionen schon längst. Horst Eckert hat in seinem Roman ein Szenario entworfen, wie ein solcher Angriff auf die Demokratie aussehen könnte. In ihm verbinden sich Suspense und Aufklärung – man legt ihn aus der Hand und fragt sich dann tatsächlich: Was wäre, wenn? Und, vielleicht, auch: Was kann ich tun? Das ist politische Literatur, die zum Nachdenken und Einmischen ermutigt. Und damit genau das, was wir als grüne politische Stiftung mit unserem Politikrimipreis im Sinn haben. Deshalb ist Horst Eckert mit „Macht der Wölfe“ in unseren Augen ein perfekter Preiseträger.


Die Macht der Wölfe von Horst Eckert ist der vierte Band der Reihe um die Ermittler*innen Melia und Vincent. In diesem Thriller wird Deutschland von sozialen Spannungen und Demonstrationen erschüttert, während sich eine neue rechtskonservative Sammlungsbewegung unter dem Fernsehmoderator Christoph Urban formiert. Melia Adan, die im Polizeiapparat schnell aufgestiegen ist, erhält einen unerwarteten Auftrag: Sie soll eine Erpressung gegen die Bundeskanzlerin aufdecken. Zugleich ermittelt Hauptkommissar Vincent Veih in einem Fall, der ihn mit seiner eigenen Familiengeschichte konfrontiert, als auf einer Baustelle des milliardenschweren Immobilien-Magnaten Hartmut Osterkamp Leichenteile gefunden werden. Dieser Band verwebt politische Intrigen mit persönlichen Geschichten der Hauptfiguren, wobei die politischen Verhältnisse in Deutschland auf dem Spiel stehen.

Aus der Begründung der Jury

Ein Roman, aktueller als wir uns das wünschen. Rechtsradikalismus, Faschismus und eine in diesem Sinne immer aufgeheiztere und gespaltenere Bürgerschaft, sind ein Problem für unsere freiheitlichen Gesellschaften – nicht nur in Deutschland. Das ist der Kern dieses ausgezeichneten Romans, der allen ans Herz zu legen ist, die nicht wirklich glauben wollen, was wir grade durchleben müssen. Vielleicht kann Horst Eckert dazu beitragen, mit- und nachzudenken über das Tagesschauwissen hinaus.


Den Politikkrimipreis vergeben wir seit 2018.

Die Preisträger*innen 

  • 2023: Peter Grandl erhält für Turmgold 
  • 2022: Yassin Musharbash für Russische Botschaften
  • 2021: Zoë Beck für Paradise City
  • 2020: Johannes Groschupf für Berlin Prepper
  • 2019: André Georgi für Die letzte Terroristin
  • 2018: Oliver Bottini für Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens