Füreinander – vor Ort – für die Zukunft | Soziale Innovationen in Zeiten von Corona

Donnerstag, 6. August 2020, 9.00 – 10.00 Uhr, auf YouTube


Digitalisierung ist Innovation. Effizienzsteigerung und neue Produkte sind aber nicht alles – unsere gesamte Gesellschaft verändert sich mit den neuen Möglichkeiten. Wir stellen Projekte vor, die sich am Gemeinwohl orientieren und Neues auf die Beine stellen: einen lokalen Online-Marktplatz im ländlichen Raum – ein Netzwerk für lebendige Nachbarschaften – und eine Initiative für Geflüchtete an Europas Außengrenzen. Wir interessieren uns für - eine Plattform für Künstler*innen und - gegen Verschwörungstheorien. Der Hackathon #WirVsVirus brachte in überwältigender Kreativität 130 Projekte hervor: was funktioniert und was hat Chancen auch nach Corona zu bleiben?

Wir sprechen mit den Initiator*innen und Entwickler*innen beispielhafter Projekte, die sie uns vorstellen werden.

Die Projekte sind

  • der Hackathon #WirVsVirus, der eine überwältigende Kreativität hervorbrachte,
  • digital stage: die digitale Bühne für Kunst-, Musik- und Theaterensembles,
  • wir weiten den Blick mit dem Netzwerk für Geflüchtete can’t wash my hands, das auf die Situation an den Grenzen Europas aufmerksam macht,
  • der regionale Online-Marktplatz Emma bringts der Laichinger Alb,
  • der EduThon, der Lösungen für Homeschooling entwickelte.

Wir unterhalten uns über die Fragen

  • Wie entstand die Idee, worin lag die Motivation?
  • Was funktioniert, wie wird es genutzt?
  • Was ist die neue Qualität?
  • Gibt es einen Mehrwert aus der Verknüpfung vom Digitalen mit dem Analogen?
  • Was hat Chancen nach Corona zu bleiben, was sind die Perspektiven?

 

Beteiligen Sie sich, indem Sie uns via slido Ihre Fragen aufschreiben! Wir geben sie den Vertreter*innen der Projekte weiter. Bitte geben Sie an, an welches Projekt sich die Frage richtet.

Moderation: Annette Goerlich, Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg

Stream auf YouTube



 

Diese Online-Veranstaltungsreihe organisieren als Mitglieder im Netzwerk "Sozialer Zusammenhalt in digitaler Lebenswelt"

  • Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit e.V.
  • Forum Soziale Technikgestaltung
  • Deutscher Gewerkschaftsbund Baden-Württemberg
  • Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg
  • Fritz-Erler-Forum/Landesbüro der Friedrich Ebert Stiftung Baden-Württemberg
  • Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg

Neun Thesen des Netzwerks

 

Weitere Veranstaltungen im Rahmen des digitalen Frühschoppens

Mittwoch, 12. August 2020, 9:00 - 10:00 Uhr

Gemeinsam auf der Plattform: Austausch und Interessensvertretung von digitalen Arbeiter*innen organisieren


Dienstag, 25. August, 9:00 - 10:00 Uhr

Zusammenhalt im Betrieb im digitalen Zeitalter: Transformation von Mitbestimmung und Teeküche


Donnerstag, 3. September, 9:00 – 10:00 Uhr

Home sweet home – Was muss getan werden, damit das Arbeiten von Zuhause eine soziale Innovation wird?


Mittwoch, 09. September 2020, 9:00 – 10:00 Uhr

Digitalisierung und (Aus)Bildung – genug geredet? Endlich handeln!


Anmeldung: Fritz-Erler-Forum • Anja Dargatz • anja.dargatz@fes.de • Tel.: 0711 / 24 83 94 - 44

Thesen für ein gemeinsames Handeln

Netzwerk „Sozialer Zusammenhalt in digitaler Lebenswelt“

Stuttgart, 9. Februar 2017


These 1: Die digitale Transformation ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung

Die digitale Transformation der Wirtschafts- und Arbeitswelten zieht einen ganzheitlichen Wandel der Lebenswelten nach sich. Dieser Wandel stellt nicht nur ein Technik- oder Wettbewerbsthema dar. Die digitale Transformation bildet eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung und benötigt eine selbstbewusste, gestaltende Antwort der Zivilgesellschaft. „Industrie 4.0“, „Arbeit 4.0“, „Hand- werk 4.0“, „Mittelstand 4.0“, „Verwaltung 4.0“ betreffen nicht nur Betriebe, Werkstätten und Büros. Sie betreffen alle Bürgerinnen und Bürger. Alle Bürgerinnen und Bürger sind einzuladen, sich an der Gestaltung dieses Wandels zu beteiligen.

These 2: Soziale Innovationen sichern die Nachhaltigkeit des Wandels

Wirtschaft und Technik leiten einen Wandel von Beruf, Arbeit und Freizeit ein. Dieser Wandel benö- tigt in demokratischer, sozialer, kultureller, rechtlicher, ökologischer und ökonomischer Hinsicht Nachhaltigkeit. Diese Nachhaltigkeit ist erst zu erreichen, wenn soziale Innovationen, soziale Stan- dards, demokratische Rechte und gesellschaftspolitische wie auch strukturelle Maßnahmen diese Nachhaltigkeit absichern. Schritte zur Förderung des sozialen Zusammenhalts müssen aktiv weiter entwickelt werden.

These 3: Technik muss dem Menschen dienen

Die digitale Transformation der Wirtschafts- und Arbeitswelten verändern das Verhältnis von Mensch und Technik. Technik muss dem Menschen dienen. Der Mensch darf nicht der bloße Assistent digi- taler Technik werden. Eine durch Digitalisierung und Virtualisierung sich wandelnde Zivilgesellschaft benötigt einen öffentlichen und beteiligungsorientierten Diskurs über moderne Ethik und die Stellung des Menschen in technikgestützten Lebenswelten. Die Zivilgesellschaft benötigt für die positive Nut- zung neuer Techniken eine vorausschauende, integrierte und partizipative Technikbegleitforschung gegenüber dem Einsatz autonomer Software-Systeme. Notwendig ist eine aktive präventive Tech- nikfolgenabschätzung.

These 4: Privatheit muss geschützt werden, sie ist ein wesentlicher Baustein der Demokratie

Die Anwendungen neuer digitaler und virtueller Werkzeuge in Beruf, Arbeit und Lebenswelten beein- flussen das Verhältnis von Öffentlichkeit und Privatheit. Um die Vorteile der Digitalisierung für die Gesellschaft absichern zu können, benötigen Bürgerinnen und Bürger eine Stärkung ihres Rechtes auf informationelle Selbstbestimmung, einen intensiveren Schutz der Privatheit, einen umfassenden Daten- und Identitätsschutz. Der Schutz der Privatheit ist ein wesentlicher Baustein des Fundaments der Demokratie.

These 5: Zugänge der Bürgerinnen und Bürger zu Bildung, Beruf und sozialer Infrastruktur sind zu bewahren

Der Prozess der digitalen Transformation der Arbeits- und Lebenswelten verändert die Zugänge und die Zugänglichkeit der Bürgerinnen und Bürger zu Wissen und Bildung, Beruf und Einkommen, sozi- alen Dienstleistungen und Infrastrukturen. Der Wandel vermindert einerseits Barrieren, lässt aber andererseits neue entstehen. Die wachsende Unübersichtlichkeit und Abstraktion, die zunehmende Geschwindigkeit und Komplexität sowie die abnehmende Nachvollziehbarkeit wirken sich für viele Menschen wie neue Zugangsbarrieren aus. Bürgerinnen und Bürger sowie die zivilgesellschaftlichen Akteure sollen in die Findung sozialer Innovationen, in die Entwicklung und Einführung neuer Tech- nologien beteiligungsorientiert einbezogen werden, um Gefahren der Ausgrenzung, der Geschlech- terungerechtigkeit und der möglichen digitalen Spaltung zu vermeiden. Frühzeitige Beteiligung kön- nen sozialen Zusammenhalt, Integration, Selbstbestimmung, Identität in der Virtualität, persönliche Autonomie, Solidarität und Inklusion erleichtern.

These 6: Veränderte Berufsbiographien benötigen neue Regelungen der sozialen Absicherung

Die voranschreitende digitale Transformation verändert Berufsbiografien und führt immer häufiger zu unfreiwilliger individueller Selbstständigkeit und Erwerbslosigkeit. Um soziale Brüche und Gefahren prekärer Lebensphasen zu verringern, bedarf es dringend neuer gesellschaftlicher Übereinkünfte und sozialstaatlicher Regelungen zugunsten sozialer Standards für Freelancer und Crowdworker. Wir brauchen in einer digital handelnden Gesellschaft neue sozialstaatliche Anstöße für die soziale Absicherung von Erwerbssuchenden und Langzeitarbeitslosen. Dabei kann aus der Diskussion um das bedingungslose Grundeinkommen gelernt werden.

These 7: Neue Lernkulturen sollten zu selbstbestimmtem Leben ermutigen

Die zunehmende Digitalisierung und Virtualisierung der Lebenszusammenhänge in Beruf, Lebens- phasen und Freizeit stellt die Zivilgesellschaft vor die Herausforderung, neue Lernkulturen zu schaf- fen, die sich an die Lebenslagen anpassen und lebensphasenorientiert ausgelegt sind. Diese Lern- kulturen sollten zu selbstbestimmtem Leben ermutigen und lernförderliche Bildungswelten in Schule und Berufsschule sowie in der Erwachsenenbildung stärken. Dabei sollten nicht das technische Werkzeug oder die technische Infrastruktur das Zentrum bilden, sondern das begleitende Lernen in kollegialer Gemeinschaft, das erst im Nachhinein mit Assistenzlösungen unterstützt wird. Der sich beschleunigenden Virtualisierung von Bildung und Weiterbildung muss eine Aufwertung der persön- lichen Begegnung und der Wiederverortung des Lernens folgen.

These 8: Eine klimagerechte Anwendungsstrategie der Digitalisierung wird dringend benötigt

Die neuen digitalen Technologien können zu mehr Material-, Ressourcen- und Energieeffizienz in Wirtschaft und Arbeitswelt, im städtischen Zusammenleben, in Mobilität und Verkehr, in Freizeit und Wohnumgebung beitragen. Ohne die modernsten Informationstechnologien und ohne die „intelligen- ten“ digitalen Werkzeuge wird das gemeinsame Klimaschutzziel nicht erreicht werden können. Um aber dem Ziel mit Hilfe dieser Techniken erfolgreich nahezukommen, bedarf es einer klimagerechten Digitalisierungs- und Anwendungsstrategie. Diese ist gerade für die Entwicklung von Städten und Gemeinden unabdingbar.

These 9: Benötigt werden Netzwerke zivilgesellschaftlicher Akteure – nicht nur in Baden-Würt- temberg

In einer gemeinsamen Anstrengung haben die baden-württembergische Landesregierung, Vertreter von Wirtschaft, Gewerkschaften, Verbänden, Kammern und Forschungseinrichtungen im Frühjahr 2015 das Netzwerk „Allianz Industrie 4.0 Baden-Württemberg“ gegründet. Diesem – vor allem auf technische Innovationen ausgerichteten Netzwerk – sollte ein offenes und öffentliches Netzwerk zi- vilgesellschaftlicher Akteure, Kirchen, Verbände und Initiativen zur Seite stehen. Ein solches Netz- werk soll den begonnenen Zukunftsdialog des Landes erweitern, soll für gesellschaftliche und sozia- le Innovationen eintreten. Ein solches Netzwerk soll Impulse für demokratische Beteiligungen, für Chancengleichheit und Gleichberechtigung, für Zugänglichkeit und soziale Standards, für Bildungs- chancen und unterstützende Jugendarbeit, für den Schutz der Privatheit und Verbraucherschutz, für eine Kultur der Selbstbestimmung und Autonomie, für lebensphasenorientiertes Lernen und den Er- werb von Komplexitätskompetenz, für Integration und Inklusion, für Klimaschutz, Open Government und für die Stärkung des ländlichen Raumes geben.


Die Unterzeichnenden schlagen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Fachtages „Arbeit 4.0 und Gesellschaft 4.0?!“ in Stuttgart am 9. Februar 2017 die Gründung eines zivilgesellschaftli- chen Netzwerkes „Sozialer Zusammenhalt in digitaler Lebenswelt“ vor. Die vorgelegten Thesen mögen den Dialog beflügeln.

Redaktion der Thesen: Hans-Henning Averbeck, Günter Buck, Romeo Edel, Karl-Ulrich Gscheidle,
Olaf Kierstein, Klaus Kittler, Matthias Kneißler, Albrecht Knoch, Joachim Rindsfüsser, Welf Schröter, Karin Uhlmann. (Stand 7. Februar 2017)

Kontakt zur Diskussion der Thesen: buck@bagejsa.de oder schroeter@talheimer.de