Leben und Wachsen im Stillstand der Pandemie

Ein Film von Sophie Raehme und Perschya Chehrazi

Durch-Leben der Pandemie und existentieller Krisen in-between Baden-Württemberg und beyond Europe!

Kurzfilmprojekt Neue Normalität. Leben in der Pandemie.

Zum Trailer

Film und Gespräch am 01.07.2021 um 19 Uhr mit Rainer Leweling, Vorstand der Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg sowie Sophie Raehme und Perschya Chehrazi. | Anmeldung

Mann mit den Händen hinter dem Kopf. mit eingeblendeter Schrift: I am missing nature

Das Corona-Jahr 2020 gilt als Jahr, das die meisten gern übersprungen hätten. Die medial stark wirksamen Ereignisse der Corona-Pandemie zeigen einerseits wie die Corona-Regeln zur Eindämmung des Virus nicht jeden gleichermaßen betreffen und auch bereits existierende strukturelle Probleme und Krisen unterschiedlich beeinflussen. So fürchten manche Menschen nicht nur das Virus.  Als Narrativ zeigt uns Covid-19 andererseits die Dominanz der Natur und die Hilflosigkeit der Menschen. Die Pandemie führt zu zusätzlichen Belastungen, denen wir oft nur wenig entgegensetzen können. Viele Menschen ziehen sich aus Angst andere anzustecken oder selbst angesteckt zu werden zurück. Manche verscharren sich dabei in Einsamkeit und Isolation. Andere leiden unter schweren Existenzängsten, unter Überforderung durch die Ausbreitung der Digitalisierung und der Arbeitswelt in den privaten Wohnraum. Perspektivlosigkeit, Panik, Sorge um die Zukunft und um unsere Umwelt sind oft die Folgen.

Der 30-minütige Kurzfilm Leben und Wachsen im Stillstand der Pandemie setzt genau hier an und fokussiert die veränderte Verletzlichkeit unterschiedlicher Protagonist*innen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen, Irland, Belgien, sowie in Ländern des globalen Südens (Tunesien, Ägypten, Uganda, Ruanda und Peru). Im Zentrum des partizipativen und transnationalen Dokumentarfilms stehen die Schwierigkeiten, die aus der uns allen verordneten Isolation resultieren. Diese werden aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet und in ihrer Vielschichtigkeit dargestellt. Zwischen „verdigitalisierten“ sozialen Beziehungen verschiedener Individuen und Generationen und der fehlenden Führsorgearbeit durch Staaten verhandelt der Film im Kleinen und Großen die Frage nach einer Gegenwart und Zukunft mit oder nach Corona: Die neue Normalität wird entlang verschiedener biographischer Kurzausschnitte, die wir von Freund*innen und Bekannten in Form von visuellen Tagebucheinträge und künstlerischen und musikalischen Beiträgen im Frühjahr 2020 eingesendet bekommen haben, erkundet, erprobt und schließlich visuell ausgemalt.

5 verschiedene Handybilder von einem Mann und einer Frau, die erzählen, was die Pandemie mit ihnen gemacht hat.

Der Film fokussiert zum einen die Geschichte eines jungen BIPoC[1]-Filmemachers, der seine biographischen Erlebnisse während der ersten Pandemiewelle 2020 beschreibt. Zurückgeworfen auf sich selbst und gerade von Darmstadt zum Master-Studium nach Ludwigsburg in Baden-Württemberg umgezogen, verfolgt der Kurzfilm seine persönliche Auseinandersetzung in einer neuen Stadt, die fern von Natur zu sein scheint. Zum anderen wechselt der Dokumentarfilm zwischen der lokalen Geschichte des jungen Filmemachers in Deutschland und den Geschichten einer jungen in Peru lebenden Venezolanerin, die auf emphatische und kluge Art von den Menschen, die auf der Straße leben, berichtet und dabei von ihrer Arbeit dem Recyceln in den Straßen Limas erzählt, der Schilderung einer trans* Frau aus Ägypten, die von Schwierigkeiten von Menschen aus der LGBTQI*[2]- Community berichtet, die aufgrund der Corona-Auslastung in Krankenhäusern nicht mehr mit Medikamenten gegen AIDS versorgt werden können, den persönlichen Eindrücken einer Lehrerin und Rapperin aus Tunesien, Beiträgen einer Studentin, die im humanitären Bereich in Uganda arbeitet, den Gedichtausschnitten von Aaron aus Ruanda, der Schilderung einer Restaurantbesitzerin aus Mainz, der Tanzeinlage von Paula und Peigi aus Irland, den Reflexionen einer Krankenschwester aus Hessen und eines in Belgien gestrandeten Kurzarbeiters, bis hin zum Bericht einer jungen Kolumbianerin, die als Kindergärtnerin in Frankfurt am Main arbeitet. Gemeinsam ist diesen doch sehr unterschiedlichen Geschichten des Betroffenseins von Corona - der Kampf um das seelische, physische und soziale Überleben in Zeiten existentieller Ungewissheit.

Über die Produzent*innen, Editor*innen und Beitragende:

Produzent*innen: Perschya Chehrazi und Sophie Raehme

Perschya Chehrazi ist als freier Künstler, Musiker und Filmtonmeister tätig und studiert seit letztem Jahr in Ludwigsburg Filmton. Zuvor hat er in Darmstadt/Dieburg Sound & Music Production studiert.

Sophie Raehme hat Soziologie und Philosophie in Frankfurt am Main studiert und trat im Herbst 2020 ein Promotionsstudium in Wien an. Daneben wirkt sie mit Begeisterung an der Organisation eines queer-feministischen Festivals in Frankfurt und kleineren künstlerisch-kulturellen Projekten mit. Im Frühjahr 2020 startete sie mit Perschya Chehrazi das freie Corona-Dokumentarfilm-Projekt MitOhneTakt in dessen Rahmen der Film entstand.

Editor: Georgmaria Prock ist studierter Kunsthistoriker und seit 2015 als Ausstatter in diversen Filmproduktionen tätig. Er ist Obmensch des Vereins kino 5, der unabhängiges Filmschaffen durch die Organisation von so genannten Kinokabarets, Screenings und Workshops fördert. In diesem Kontext entstand über Jahre hinweg eine große Leidenschaft für Filmschnitt. Seit Herbst 2020 ist Georgmaria Prock offiziell Filmstudent in Wien.

Beitragende: Aaron Niyonsenga,  Yu Rim Kim, Roua Beyda, Perschya Chehrazi, Patricia Heizal Nagginda, Joss Aress Dzomo, Cristina DeGamboa Pérez, Paula Curtis, Peigi Curtis, Nora Noralla, Juvilsu Loyo, Lina Schelcker, Sabine Schmid, Bernhard Raehme, Cordelia Marsch

Musik: Simon Scharf und Gustavo Sepulveda

 

 

[1] Abkürzung für die Selbstbezeichnung Black People, Indigenous People und People of Colour.

[2] Abkürzung für Lesbisch, Gay, Bisexuell, Transgender, Queer, Intersexuell, * (weitere Kategorien, die nicht unter die anderen Kategorien fallen und von der cis-Hetero-Norm abweichen).