Die Energiewende wird nur weiblicher erfolgreich sein!

Ein Gespräch mit Barbara Fischer-Aupperle, Global Women's Network for the Energy Transition Sind Frauen die besseren Klimapionierinnen? | 11. Dezember 2021#

Weiter geht's mit den Klimapionierinnen als Mittagspausen-Gespräch am 14.7. um 12:30 Uhr

Klimapionierinnen

Ulrike Röhr:

Ich bin gespannt, wie Frau Fischer-Aupperle die Situation beschreibt, von Frauen im internationalen Umfeld der Energiewirtschaft. Frau Fischer-Aupperle ist Mentorin und Coach für Frauen. Sie hat über 33 Jahre im internationalen Umfeld der Wasserkraft gearbeitet, in einem international agierenden Technologiekonzern und hat von dort auch ihre Expertise zum Thema Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien gewonnen. Sie ist darüber hinaus aber auch Mitbegründerin eines weltweiten Frauennetzwerks für die Energiewende, das heißt Global Women's Network for the Energy Transition. Ich bin gespannt auf Ihr Statement.

Barbara Fischer-Aupperle:

Vielen Dank, Frau Röhr. Wir sehen ganz klar, dass Frauen die besseren Klimapionierinnen der Zeit werden würden, wenn man sie ließe und wenn sie es selber tun würden. Darauf komme ich gleich noch zurück. Wir sehen Frauen als wirkliche Agenten einer Transformation und die Energiewende ist ein riesiger Transformationsprozess. Es gibt eine tolle Definition vom Oxford Institute, die werde ich Ihnen jetzt nicht vorlesen, aber natürlich ist ein ganz großer Basisstein dafür der Einstellungs-, der Haltungs- und der Verhaltens-Change, also die Veränderung auf persönlicher Ebene. Dazu braucht es ganz diverse Hintergründe, Fähigkeiten und Perspektiven und einen riesigen Talent Pool. Und wir denken, dass es eine ganze Menge mit Politik, mit Diversitätspolitik, mit Inklusion und auch mit Arbeitsplätzen zu tun hat. Wenn wir auf die IRENA Studie gucken, sagt diese voraus, dass 42 Millionen Arbeitsplätze im Bereich der Erneuerbaren Energien und der Energiewende bis 2050 entstehen, von 11 Millionen im Jahr 2018. Daran ist der heutige Frauenanteil 22 % im traditionellen Bereich und 32 % immerhin im Bereich der erneuerbaren Energien. Wenn wir die 42 Millionen zur Hälfte mit Frauen besetzt haben wollen, dann müssen wir auch wirklich etwas dafür tun. Und das ist unsere Vision, die auch darauf zielt, dass wir die richtigen Machtinstrumente für uns Frauen schaffen, aber auch ergreifen.

Christine Lagarde sagte schon, wenn Frauen in die Arbeitswelt hineinkommen, dann profitiert auch jeder. Die Auflistung von Gründen, warum Unternehmen besser abschneiden, wenn die Geschlechtergleichheit mehr berücksichtigt wird, geht bis hin zu höheren Profiten in Unternehmen. Wenn das aber so ist, dass die Unternehmen oder Organisationen besser dastehen, wenn Frauen mehr Führung übernehmen, warum schaffen wir es dann nicht, mehr Frauen in Führungspositionen zu bekommen? Wir brauchen Zahlen. Wir machen deswegen auch eigene Studien. In unserer ersten 2019 haben wir eine Art Baseline gelegt: Wie viele Frauen gibt es denn überhaupt und was kann man dafür tun, diesen Frauen im Energiebereich mehr Chancen einzuräumen und sie aber auch zur eigenen Entwicklung anzuregen? Unsere letzte, jetzt noch laufende Studie ist eine über die Frauen in der Wasserkraft-Branche, in Zusammenarbeit mit der Weltbank und mit der International Hydro Power Association. Das heißt, in diesem Sektor sind zu wenige klare Zahlen da. Und das gilt auch für viele andere Bereiche der erneuerbaren Energien. Wir brauchen erst einmal hilfreiche Baselines und Zahlen, um zu sagen, auf wen wir aufbauen können - so viele sind also auf dem Level, so viele auf dem Level - wie kommen wir jetzt zu Maßnahmen, die die Zahlen dort erhöhen, rein rechnerisch betrachtet.

Wir brauchen natürlich auch Visionen und Ziele. Wir haben unser Netzwerk 2017 gegründet und widmen uns der Energiewende, nicht nur den erneuerbaren Energien, sondern der gesamten Energiewende. Und wir wollen in diesem Bereich, in Zusammenarbeit mit ganz vielen weltweiten Partnern, daran arbeiten, dass sich die derzeitige Ungleichheit, also diese Unterrepräsentation von Frauen, dass sich das verbessert, um Empowerment von Frauen durch unser Netzwerk sicherzustellen und ihre Sichtbarkeit zu erhöhen. Daran, was sie eigentlich wirklich alle tun und leisten, müssen sie selbst mitarbeiten, das machen nicht nur die anderen für sie. Aber wir helfen dabei, im Netzwerk, und natürlich hilft auch das Netzwerken selber, die Verbindung mit anderen Frauen in jeder Art von Job, auf jeder Art von Level und in jeder Art von Altersgruppe.

2017 gegründet haben wir bis zu diesem Jahr mehr als 2000 Mitglieder. Und unser schönster Asset für mich ist eine Expertinnen-Datenbank, die inzwischen auch über 2000 Einträge hat, von Frauen aus über 100 Ländern. Wir haben 13 regionale und globale Mentoring Programme, das ist unser großer Baustein, weil wir die Frauen dadurch anregen wollen, sich auch etwas zu trauen. Das heißt, wir stellen Ihnen erfahrene Mentorinnen zur Seite und ermutigen sie zu mehr Aktion. Das Networking, die Beratung, die Dienstleistung im Mentoring, die wir anbieten, und die Plattform, die wir haben, sind ganz große Bausteine, mit denen wir nach außen gehen und eine ganze Menge Dinge getan haben seit unserer Gründung. Zum Beispiel haben wir auch eine „Energy Transition Role Models“-Kampagne aufgebaut, in der wir Frauen vorstellen, die vor allem als Unternehmerinnen über die ganze Welt als Beispiel dafür dienen können, als Inspiration - wie mache ich mich als Frau sichtbar und was kann ich alles schaffen, wenn ich es wirklich will, mit klarem Ziel, klarer Vision.

Meine eigene Vision zum Schluss: Nicht warten, einfach anfangen zu handeln. Ich war 33 Jahre lang in der Wasserkraft tätig und war in einem sehr männerdominierten Umfeld. Ich hätte mir gewünscht, dass mich damals auch ein Mann an die Hand nimmt und sagt: „Komm, ich erkläre dir mal, wie ein paar Sachen gehen hier in diesem Industrieunternehmen“. Ich habe mir mein Selbstbewusstsein über viele Jahre einfach immer wieder selbst aus den Fingern saugen müssen, um zu sagen „Hey, den Job will jetzt, aber ich, den kriege ich. Ich habe dafür hart gearbeitet. Warum wollt ihr den einem Mann geben?“ Und ich denke, ich habe lange Jahre zu wenig für meine Sichtbarkeit getan. Und dazu ermutige ich heute die Mentees, die ich habe. Zurzeit betreue ich fünf um die ganze Welt, so ungefähr von Rio bis Riad. Die weiteste ist gerade in Neuseeland unterwegs. Und trotzdem geht das online extrem gut, Frauen zur eigenen Aktion, zur eigenen Verantwortung zu motivieren. Die älteren Frauen haben es einfach noch anders angepackt. Und die jüngeren Frauen haben Gott sei Dank schon mehr Selbstverständnis, mehr Standing, haben alle eine supergute Ausbildung. Jetzt müssen sie es nur noch wagen, mit diesem Pfund auch richtig zu wuchern und sich sichtbar zu machen. Und man kann nicht auf jemanden warten, man muss sich selbst verbinden, man muss sich selbst aussuchen, was man tun will und einfach machen. Vielen Dank.