Zwangsarbeit im 21. Jahrhundert | Staatliche Zwangsarbeit am Beispiel Usbekistan

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Landkarte Zentralasien

Cotton Campaign Ends its Call for a Global Boycott of Cotton from Uzbekistan

 Diese Schlagzeile hat nicht nur in Usbekistan, sondern auf der ganzen Welt für viel Aufmerksamkeit gesorgt: die Cotton Campaign hat das Import-Verbot von usbekischer Baumwolle aufgehoben.


Landkarte Zentralasien

Warum gab es in den letzten Jahren einen Boykott für Baumwolle aus Usbekistan? 

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in den 1990er Jahren war Usbekistan ein zentralistisch geregelter Staat. In den Sommermonaten mussten dort alle usbekischen Bürger:innen ein bis zwei Monate bei der Baumwollernte helfen. Diese mussten teilweise durch das Land fahren und an einem anderen Ort in einer Massenunterkunft schlafen. Eine Million Menschen (Erwachsene und Kinder ab 10 Jahren) waren im Jahr 2007 gezwungen, in der Baumwollernte zu arbeiten.

All dies war Teil der staatlich geregelten Baumwollproduktion. Darunter fiel auch, dass der Regierung das Land gehörte, diese die Landwirt:innen mit Saatgut versorgte sowie Mengenziele und Preise festlegte. Und eben auch seine Bürger:innen zwang, in der Baumwollernte zu arbeiten.

Seit 2007 hat sich viel verändert:

• Es gab 2016 einen Regimewechsel und der neue Präsident Shavkat Mirziyoyev hat zahlreiche ökonomische Reformen eingeführt.

• Es gab internationalen Druck. Organisationen wie die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) untersuchten jährlich die Arbeitsbedingungen auf den Baumwollplantagen.

• Über 300 Unternehmen hatten den Cotton Pledge der Cotton Campaign unterschrieben und so erklärt, keine Baumwolle aus Usbekistan mehr zu kaufen.

•  Usbekische Menschenrechtsorganisationen setzten sich vor Ort für bessere Arbeitsbedingungen ein.

Ermutigend: Der Einsatz für ein Ende der staatlichen Zwangsarbeit war erfolgreich!

Person, die auf einem Feld arbeitet

Mehr Informationen dazu: Usbekistan – trotz Fortschritten noch viele Risiken | SÜDWIND Blog

Obwohl die ILO und usbekische Menschenrechtsorganisationen davon sprechen, dass es keine systematische staatliche Zwangsarbeit mehr in Usbekistan gibt, existieren immer noch viele menschenrechtliche Risiken

Dabei ist es vor allem wichtig darauf zu achten, dass internationale Unternehmen, die sich nun in Usbekistan ansiedeln, die Menschenrechts- und Arbeitsstandards erfüllen.

Das war ein Beispiel von staatlicher Zwangsarbeit. Staatliche Zwangsarbeit gibt es auch in Xinjiang, China.

Weiterführende Informationen zu Xinjiang: Zwangsarbeit in Xinjiang – eine Herausforderung für viele Branchen | SÜDWIND Blog und in diesem Factsheet: 2020-21 FS Zwangsarbeit in Xinjiang (PDF).

Auch in Turkmenistan, einem Nachbarland von Usbekistan, gibt es immer noch staatliche Zwangsarbeit im Baumwollsektor. Auch hier gibt es wie damals in Usbekistan einen zivilgesellschaftlichen Aufruf, keine Baumwolle aus Turkmenistan zu beziehen.

Mehr Infos gibt es hier: Zwangsarbeit im turkmenischen Baumwollanbau – Nur eine Frage der Zeit, bis sie ein Ende findet? | SÜDWIND Blog